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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken. "Mir scheint, nein, ich weiß es, dieser Spruch ist Lebensmaxime von Dr. Mathias von Hülsen. Ein hehres Ziel des Intendanten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ohne geht es nicht. Wie sonst könnten sich die Festspiele MV zur prägenden Marke unseres Bundeslandes entwickelt haben. In der von Hülsen’schen Wohnung am Schweriner Pfaffenteich plauderte ich mit ihm und seiner Ehefrau Dorothy – aber nicht nur über die Festspiele. Ein wunderbar bodenständiges Paar.


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Wat nich all gifft…

10.12.2008
Der neue BMW7er.

Manfred Hain muss noch warten, bevor er seinen BMW 7er erneuert. Lieferschwierigkeiten bei BMW Wigger? Nein. Aber das Risiko sei einfach zu hoch. Wegen des frühen Wintereinbruchs? Wegen der Finanzkrise? Nein, nein, meint Manfred Hain, macht ein ehrlich bekümmertes Gesicht und flüstert: Die Punkte. Nur noch drei Wochen muss er durchhalten, dann ist sein Konto in Flensburg wieder auf null. Aber so schlimm kann‘s doch nicht sein, dass nicht wenigstens eine Probefahrt zur Burg Schlitz drin ist. Es braucht nicht viel, um Manfred Hain zu überreden. Schließlich: der neue 7er. Ich soll die Augen offen halten nach verdächtig geparkten Autos oder Fotoapparaten am Straßenrand. Und mit einem Blick auf den Tacho haben. Worauf er sich verlassen kann.

Als sich Manfred Hain auf die A 19 einfädelt, ahne ich, was er meint. Als er schon nach ein paar Kilometern für die ewigen 13 Kilometer Baustelle wieder runter muss auf 80, weiß ich es: Man vergisst die Geschwindigkeit, fühlt sich mit 240 Sachen genauso sicher wie mit 40. Selbst Manfred Hain, der seit elf Jahren immer den aktuellen 7er fährt, ist überrascht: Erst bei 150 km/h sind die ersten Windgeräusche zu registrieren und selbst bei 220 km/h gibt es keinen Grund, beim Schwatz mit dem Fahrer die Stimme zu heben. Natürlich kann man auch den Motor hören. Wenn man will. 

Man könnte jetzt sämtliche Finessen des 7er auflisten. Aktiv-Multifunktions-Lenkrad. Konturensitze mit Memory. Einpark­kamera. Platzbezogene Klimaanlage auch im Fonds. Und so weiter. Bis man schließlich bei den aktiven Kopfstützen und den automatischen Scheibenwischern ankäme. Aber soviel Zeit haben wir nicht. Sie reicht nicht einmal für eine  oberflächliche Beschreibung der Multimedia-Konsole: Navi, Internetzugang, DVD, MP3, Bluetooth, USB, DVB-T, multimediale Betriebsanleitung für das Auto, die Online-Reiseunterstützung von BMW... „Wat nich all gifft“, entfährt es dem gebürtigen Rostocker, Pferdezüchter und Versicherungswirtschaftler ein ums andere Mal. Dabei wendet Manfred Hain zum Bedienen des 10,2 Zoll-Displays kaum den Blick von der Straße: Seine rechte Hand erfasst intuitiv, wie die Navigation durch die Menüs und Untermenüs funktioniert. Trotzdem schaltet Manfred Hain die automatische Verkehrszeichenerkennung ein. Er überlässt das Einhalten der Geschwindigkeit lieber dem Tempomaten und das Abstandhalten zum Vordermann der Kamera-Automatik. So bleibt Manfred Hain Zeit, das Interieur zu loben: Es sei typisch für BMW, nicht nur für den 7er. Und für einen wie Hain, der jährlich runde 100.000 Kilometer auf Deutschlands und Europas Straßen zurücklegt ist es schon wichtig, sich im Auto auch wohl zu fühlen.

Als die Baustelle vorüber ist, gibt er Gas. Zuvor hatte er mit einem Lächeln den Automatik-Ganghebel noch mal nach links getippt und das Radio ausgemacht: Sportmodus. Jetzt hört man das Getriebe auch mal schalten. Manfred Hain tippt den Ganghebel wieder nach rechts. Er ist der Komforttyp. Verbrauch? 7,2 l im Mix. Bei drei Litern Hubraum und 245 PS. Es ist der Diesel. Der Verbrauch bleibt der einzige Aspekt, in dem sich der 7er der Mittelklasse annähert. 

Ansonsten nennt Manfred Hain den neuen 7er schlicht „ein gelungenes Auto“. Aber kann es in der Preislage überhaupt miss­lungene Autos geben? Manfred Hain nennt auf Anhieb zwei Flops der Oberklasse. Und noch zwei, die er akzeptieren könnte - wenn er nicht so sehr auf BMW stehen würde.

Das Cockpit des BMW7er: edel, übersichtlich, intuitiv.

Irgendwas ist komisch, als wir von der Autobahn auf die 104 in Richtung Teterow abbiegen. Die Kurve fühlt sich für dieses Auto zu klein an. Beim Abzweig nach Hohen Demzin passiert es wieder. Nicht dass es stören würde. Aber es verwundert. Das ist die mitlenkende Hinterachse, erklärt Manfred Hain. Wat nich all gifft. Im Werbeprospekt des 7er BMW (eigentlich ein Buch von 110 Seiten) heißt sie: Integral-Aktivlenkung. Manfred Hain hat sie schon auf der Autobahn gefühlt: Ein Tipp ans Lenkrad, und das Auto schiebt sich parallel zum Spurstreifen rüber in die Überholspur. Unterhalb von 60 km/h verhält sich die Hinterachse genau entgegengesetzt: Sie bewegt sich so, dass sie den Wendekreis des Autos enorm verkleinert. So wird die Fünfmastbark von der Autobahn auf den Nebenstrecken zu einer Karavelle. Hoppla. Schon wieder. Manfred Hain lacht: Daran gewöhnt man sich schnell.

Die letzten Meter vom Tor bis zur Burg sind ein wenig holprig. Gelegenheit, die fünf Stufen der Fahrdynamik auszuprobieren - von Comfort bis Sport. Natürlich stimmt der Computer hier nicht nur die Federung ab, sondern auch das Ansprechen des Gaspedals, der Lenkung und einiger anderer Komponenten. Manfred Hain will seinen Beifahrer nur mal fühlen lassen, was er die ganze Zeit schon fühlt: Der 7er passt sich an, er bildet das Verhältnis zwischen Straße und Fahrer. So viele Chips, Sensoren, Gigabytes. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, in einem Computer zu sitzen. Sondern in einem Auto, das Angebote macht: Fahrassistenz. Dabei soll es auch bleiben.

Nach dem Kaffee ist noch Zeit für ein Karamellbonbon bei Mathias Stinnes, der sich im Turm der Burg Schlitz gerade über die Pläne zur Umgestaltung des Schlossparkes beugt. Natürlich lässt er sich von Manfred Hain nicht lange bitten, einen Blick auf den neuen 7er zu werfen. Hübsch, sagt er. Aber sein Blick genießt länger: Die typische BMW-Front, die Silhouette, dieses Heck. Eine Skulptur. 

Eins muss Manfred Hain ihm doch noch zeigen. Aufschließen und Zündschloss war gestern: Heutzutage lässt man das „Dings“ in der Tasche, kein Schlüsselbund-Gebammel mehr  während der Fahrt. Das Auto löst automatisch die Verriegelung, wenn sich der Fahrer nähert. Oder die Fahrerin. Tür auf. Maschine starten. Los geht‘s. Watt nich all gifft.  

Text/Fotos: Frank Schlösser