
„Die Kunst braucht Förderer“, sagt Thorsten Ries, Geschäftsführer der Niederlassungen des Büroausstatters Heinr. Hünicke in Rostock,
Schwerin und Neubrandenburg. Seine Aussage ist keine Sprechblase. Der Mann meint es ernst. Absolut.
Jüngster Beweis die Aktion „Ansichtssache“, eine Homage an John Lennon und die Beatles, gemeinsam mit POP KW - Landesverband für populäre Musik und Kreativwirtschaft M-V e.V. - und dem Rostocker Volkstheater. Ein wirklich großes Ereignis, das über 250 Gäste nach Rostock-Schutow lockte, in die modernistisch eingerichtete großzügige Bürowelt der Unternehmensgruppe Heinr. Hünicke.
Das alles sei aber nicht einseitig, betont Thorsten Ries. So ein Engagement bringe unheimlich viel zurück, lasse auch persönlich neue Welten entdecken. Man glaubt es dem Mann mit den wachen, immer ein wenig fragenden Augen, wenn er begeistert über Ateliergespräche beispielsweise mit dem Rostocker Künstler Wolfgang Friedrich erzählt. „So etwas bereichert das Leben, trägt Feinsinn hinein.“ Und eben diesen Feinsinn, dieses Interesse für moderne Kunst teilt er gemeinsam mit Ehefrau Stefanie.
In ihrem Familiendomizil, ein altes Bauernhaus in Börgerende, herrscht warme, offene Leichtigkeit, wenn der Gast Garten und Haus betritt. Geschmackvolle skandinavische Modernität allenthalben. „Das ist die Handschrift meiner Frau“, lächelt Thorsten Ries liebevoll. Er sei schon eher der sachliche, kaufmännische Typ. Stefanie, die studierte Medienpädagogin, gibt unumwunden zu, dass sie sich in diesem Haus ausleben könne, ihrer Einrichtungsfreude freien Lauf lassen könne. „Vor allem das natürliche skandinavische Design hat es mir angetan“. An den Wänden zeitgenössische Kunst. Dann ist da noch der alte Kachelofen im Haus. Ursprünglich sollte das braune Ungetüm rausgerissen werden. Aber befreundete Architekten überredeten die Eheleute, diese Art von Gemütlichkeit nicht des Hauses zu verbannen. „Jetzt lieben wir seine wärmende Ruhe und ‚füttern‘ ihn mit gutem Holz“.

Thorsten Ries, der gebürtige Kieler, erlebte die deutsch-deutsche Einheit als persönlichen Aufbruch. „Damals war ich noch im Vertrieb für unser Unternehmen tätig,“ erinnert er sich. Und weil der heute 43-Jährige die Ostsee nicht unbedingt verlassen wollte, was lag da näher, als mal eben von Schleswig-Holstein nach Mecklenburg-Vorpommern zu wechseln.
1992 entschied er sich, zu bleiben. Er hat diese Entscheidung nicht bereut. Vielleicht auch, weil er 2000 auf einer Bildungsmesse die Liebe seines Lebens traf. Stefanie, gebürtige Rüganerin. Inzwischen ist die Familie komplett, vor fünf Jahren wurde Töchterchen Hedi geboren. Und wenn Hedi ihren Papa freitags zum Feierabend bei Heinr. Hünicke in Rostock-Schutow abholt, dann flitzt die Kleine durch die Regale und probiert schon mal ihren Lieblingsschulranzen. „Sie kann es einfach nicht abwarten, in die Schule zu kommen“, lächelt Mama Stefanie. Im nächsten Jahr ist es dann so weit.
Thorsten Ries resümiert. Jetzt sei er wirklich angekommen, auch und vor allem weil es die Familie gibt, zu der in näherer Umgebung auch Stefanies Eltern gehören. „Nur hier zu sein, eine spannende Arbeit zu haben, in der man aufgeht, nein, das ist es nicht.“ Vollkommenes Glück, ja das sei schon die Familie. „Um den großen Esstisch zu sitzen, zu reden, ein gemeinsames Frühstück zum Beispiel“, dies sei schon wichtig, auch um dem ziemlichen Potenzial des Arbeitsalltages zu begegnen.
„Denn unsere Arbeitswelt hat sich in den letzen Jahren enorm geändert. Die Anforderungen an eine Büroausstattung sind gewaltig gewachsen,“ sagt Thorsten Ries. „Es wird nicht nur mehr Bürobedarf gefordert, sondern ganzheitliche Bürokonzepte abgerufen“. Spezialwissen und ausgesprochenes Know-how seien erforderlich, die man bei Heinr. Hünicke bieten kann. So habe man zum Beispiel im Bereich Dokumentenmanagement heute hoch spezialisierte IT-Leute. „Vor Jahren gar nicht vorstellbar,“ so Ries. Dennoch, bei aller Technik, Thorsten Ries beobachtet bei seinen Kunden auch einen kleinen Hang zur Nostalgie, zum guten alten Füllfederhalter. Und das in dieser großen medialen Welt der Computer. „Vielleicht eine Art des seelischen Ausgleichs,“ grübelt er und freut sich zum Beispiel über handgeschriebene Karten zum Jahreswechsel. Und setzt nach, dass Heinr. Hünicke einer der großen Montblanc-Händler in Mecklenburg-Vorpommern ist.
Ost-West heute noch ein Thema? „Nein gar nicht. Ich fand es damals äußerst interessant, einen Kieler kennenzulernen“, sagt Stefanie Ries. Schön zudem, dass sie jetzt auch noch eine Familie in Kiel habe, setzt sie nach.
Für Thorsten Ries sind Ostsee und Strand von Mecklenburg-Vorpommern eindeutig schöner als im benachbarten Schleswig-Holstein. „Das gebe ich schon zu. Rostock ist der Ostsee natürlich viel näher. “ Gleiches gilt natürlich auch für Börgerende. Vom Ries‘schen Haus bis zur Ostsee sind es 800 Meter Luftlinie. Lebensqualität im besten Sinne.
Regina Rösler (Text & Fotos)