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Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…Essen ohne Schnickschnack - Lutz SeverinAngekommen - Mathias FreiheitKlassenmaß für Kurvenhatz und Windschnitt - Der 3er BMW„Play Golf – Have Fun”Pure Verführung - Klosterladen in Bad DoberanLiebe Leserin, lieber Leser,
Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…
Essen ohne Schnickschnack - Lutz Severin
Angekommen - Mathias Freiheit
Klassenmaß für Kurvenhatz und Windschnitt - Der 3er BMW
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken. "Mir scheint, nein, ich weiß es, dieser Spruch ist Lebensmaxime von Dr. Mathias von Hülsen. Ein hehres Ziel des Intendanten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ohne geht es nicht. Wie sonst könnten sich die Festspiele MV zur prägenden Marke unseres Bundeslandes entwickelt haben. In der von Hülsen’schen Wohnung am Schweriner Pfaffenteich plauderte ich mit ihm und seiner Ehefrau Dorothy – aber nicht nur über die Festspiele. Ein wunderbar bodenständiges Paar.


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Stefan Aust

01.07.2008

An einem warmen Spätsommertag tummelte sich Rostock „delüx“ durch die gepflegten Vorgärten des Nobelstadtteils Hamburg Blankenese. Hoch oben ließen wir uns bei schönstem Sonnenschein mit dem früheren Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust (62) auf der großzügigen Terrasse seiner Villa nieder. Gestärkt durch den wunderschönen Elbblick und ein Glas Mineralwasser, erlebten wir einen lächelnden, Turnschuhe tragenden Gastgeber, der sich entspannt zurücklehnte, um mit uns über lebensbedrohliche Situationen, die eigene Unmoral, sein Buch zur RAF-Geschichte und den neuen Film von Bernd Eichinger zu sprechen.

Stefan Aust, Ihr Buch ist das Standardwerk zur RAF-Geschichte. Nun ist die um 200 Seiten ergänzte Neuausgabe druckfrisch auf dem Markt.Warum ist Ihnen das Thema immer noch so wichtig?
Die Ereignisse von 1967 bis 1977 waren eine außerordentlich wichtige, interessante und dramatische Phase in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Agieren und Agitieren der RAF zeugt von Widerstand, der Suche nach Gerechtigkeit sowie einer übersteigerten Moral, die schließlich in der Verstrickung surrealistischer Vorstellungen und in krasse Unmoralmündete. Ich glaube, man kann die Gegenwart nur verstehen, wenn man die Geschichte kennt.

Die politische Gegenwart der Thematik ist immer noch spürbar?
Im Augenblick glaube ich nicht, dass es wieder einen blutigen Herbst wie 1977 geben wird. Aber man sollte ja niemals nie sagen. Schon gar nicht in einer Zeit,die von Terrorismus weiß Gott nicht frei ist. Außerdem gibt es Al-Qaida - ähnliche Organisationen, die zum Islam konvertierte Westeuropäer, Amerikaner und natürlich auch Deutsche als Selbstmordattentäter rekrutieren. Und damals waren es eben bundesdeutsche Bürgerkinder, die als Angehörige der sozialistischkommunistischen Stadt-Guerilla Bomben bastelten.

Sind Sie als 68er nie in die Versuchung gekommen, selbst aktiv zu werden?
Man musste nicht besonders schlau sein, um zu erkennen, dass das, was die Baader-Meinhof- Gruppe machte, falsch und unmenschlich war. Wenn man zwei und zwei zusammenzählen konnte, wusste man doch, wohin das führt. Mir war das von Anfang an völlig klar. Ich war nie in der Gefahr, mich an terroristischen Aktionen zu beteiligen. Keine Sekunde, keinen Moment, keinen einzigen Tag meines Lebens!

Gibt es gerechtfertigte Gewalt?
Ja, natürlich. Verstehen Sie mich bitte richtig: Ich bin kein Pazifist. Aber ich glaube, dass es Situationen gibt, in denen Gewaltanwendung notwendig ist. Nur die Frage ist, wozu, warum und in welcher Situation? Gucken Sie sich den Jugoslawienkonflikt an – immerhin haben die Amerikaner und Europäer den Völkermord, der keine 1500 Kilometer von Deutschland entfernt passiert ist, jahrelang tatenlos zugesehen, bis endlich mittels militärischer Intervention der blutige Bürgerkrieg beendet wurde.

Aber für die Bluttaten der RAF gibt es keine Entschuldigung?
Nein. Die Gruppe um Baader, Ensslin und Meinhof hat damals einfach einen ziemlich demokratischen, friedlichen Rechtsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland umgedeutet: zu einem faschistischen Staat. Das war eine glatte Lüge. Die RAF-Mitglieder haben sogar geglaubt, so etwas wie Absolution erteilen zu können. Für sie selbst war es auch, wie es der Vater von Gudrun Ensslin einmal halb treffend, halb entschuldigend gesagt hat, „eine ganz heilige Selbstverwirklichung“.

Können Sie nachvollziehen, dass Jugendliche von der RAF fasziniert sind?
Ich habe mich damals viel mit den Freunden meiner jüngeren Geschwister unterhalten, die von den Erklärungen der RAF fasziniert waren. Zur Zeit der Studentenbewegung, der außerparlamentarischen Opposition in Deutschland, gab es eine große linke Massenbewegung mit vielen jungen Menschen, die gesagt haben: Das ist doch alles richtig, was die RAF da sagt. Aber wenn die Diagnose richtig ist, dann heißt das noch lange nicht, dass die Heilmethode auch die richtige ist. Entscheidend ist aber nun einmal, für welche Vorgehensweise man sich entscheidet.

Warum haben Baader, Ensslin, Meinhof und Co. irgendwann zu den Waffen gegriffen?
Erst aus politischen Gründen, man war für die Revolution, da wollte man sie auch aktiv betreiben. Aber ich glaube, die kamen sich dabei manchmal auch irre geil vor. Wenn man sich erst einmal in solch einer Welt bewegt, betrachtet man seine Umwelt wie durch die Sehschlitze eines Panzers: Dann sehen sie nur noch den Feind, den Polizisten, der sie ins Gefängnis bringen will. Außerdem ging es ihnen um Selbstverwirklichung, und darum, nicht nur ein Blatt in der Geschichte zu sein, sondern in die Geschichte einzugehen. Das kennt man von Märtyrern aller Zeiten und aller politischen und religiösen Bewegungen.

Sie haben zwar nie auf jemanden geschossen, aber so ganz rein ist Ihre Weste auch nicht. Immerhin haben Sie mal einen Polizisten angelogen, oder?
Naja, so war das nicht ganz. Die RAF wollte damals meinen Freund Peter Homann und wohl auch mich umlegen. Peter stand damals auf der Fahndungsliste ganz oben, obwohl er nichts getan hatte. Ich war von seiner Unschuld überzeugt und habe ihm deshalb geholfen. Wenn er sich früher gestellt hätte, wäre er wohl für eine nicht begangene Tat im Gefängnis gelandet. Deshalb habe ich ihm ein Jahr lang geholfen, sich zu verstecken und als dann der wirkliche Täter gefasst war, habe ich Peter Homann bei der Anwaltskanzlei Augstein in Hannover abgeliefert. Er hat sich den Behörden gestellt und wurde nach kurzer Zeit wieder freigelassen.

Sie haben Bettina und Regina, die Kinder Ihrer ehemaligen „konkret“- Kollegin Ulrike Meinhof, aus einem sizilianischen Barackenlager geholt und auf eigene Faust ihrem Vater gebracht. War es auch richtig, dabei auf die Zustimmung der Mutter zu verzichten?
(Atmet einmal tief durch): Natürlich war das richtig. Die Kinder sollten nach Jordanien, in ein Guerilla-Camp, geschickt werden – damals, kurz vor dem Schwarzen September, als die Lager von den Jordaniern zusammengeschossen wurden, ein irre gefährlicher Ort für zwei kleine Mädchen. Ich hatte durch Kontakte erfahren, wo die Zwillinge versteckt waren, nutzte diese Chance und brachte sie zu ihrem Vater Klaus Rainer Röhl. Der hatte schließlich das Sorgerecht übertragen bekommen. Das hätte an meiner Stelle doch jeder gemacht, oder? Außerdem war vielleicht auch ein bisschen Abenteuerlust mit im Spiel.

Sie haben all die Jahre nicht gezögert, auch Ihr Leben in Gefahr zu bringen?
Ich habe im Ernst nie damit gerechnet, dass die RAF eines Tages vor meiner Tür steht. Kaum hatte ich die Zwillinge abgeliefert, standen Andreas Baader und Horst Mahler bewaffnet vor meiner Tür. Die wollten mich umlegen. Naja, da hat man doch ein bisschen Manschetten gekriegt.

Der Selbstmord der Stammheimer. Waren Sie traurig, als die Nachricht bekannt wurde?
Nich wirklich. Es hat mich vielmehr betrübt, als Ulrike Meinhof sich umgebracht hat, obwohl ich immer erwartet habe, dass das passieren würde.Ich habe denWeg von Ulrike Meinhof als politische und menschliche Tragödie empfunden. Die tat mir irgendwie leid, obwohl sie auch schwere Schuld auf sich geladen hat.

Sind Ihnen die blutrünstigen Geschichten niemals zu schwer geworden?
Nein, wenn man kein Blut sehen kann, darf man nicht Chirurg werden und wenn man Journalist sein und an diesen Themen arbeiten will, muss man Gefahren in Kauf nehmen. Ich bin ein paar Mal als Fernsehreporter im Krieg gewesen – das war wirklich gefährlich! Und es sterben jedes Jahr sehr viele Journalisten, die aus Kriegsgebieten berichten. Als Spiegel-Chefredakteur habe ich immer Skrupel gehabt, Leute in solche Gebiete zu schicken. Ich habe auch immer gesagt: Seid vorsichtig, die beste Geschichte ist den Tod nicht wert.

Trotzdem: Blut, Mord und Bombenterror – haben Sie in all den Jahren nicht mal das Gefühl gehabt, von einer gewaltigen Last erdrückt zu werden?
Ich bin für´s Fühlen nicht zuständig. Das ist nicht mein Gewerbe. Ich versuche, zu verstehen, warum sich Leute in bestimmten Situationen so und nicht anders verhalten haben. Mich interessieren Tatsachen. Ich sag es nochmal: „Für Gefühle bin nicht zuständig.“ (lächelt verschmitzt)

Seit Anfang September gibt es das neue Buch, das eine ganze Reihe neuer Informationen bereithält. Seit dem 25. September läuft „Der Baader- Meinhof-Komplex“ in den Kinos. Was denken Sie über den Film?
Mir lag immer sehr viel daran, dass das Buch einmal verfilmt wird – und wenn man so will, ist es bereits mehrfach verfilmt worden. Natürlich haben sich die meisten Drehbuchschreiber auf meine RAF-Recherchen verlassen und sich kaum durch die Originaldokumente gewühlt. Aber es hat mich sehr gefreut, dass derjenige, der das wirklich kann, nämlich Bernd Eichinger, auf den Gedanken gekommen ist, das Buch zu verfilmen. Wir haben dann drei Jahre sehr gut und intensiv daran gearbeitet. Ich war auch gelegentlich bei den Dreharbeiten dabei. Der Film gefällt mir wirklich sehr gut. Er ist sehr nah am Buch und damit nahe der Realität.

Stefan Aust, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Susanne Peters