Logo
Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…Essen ohne Schnickschnack - Lutz SeverinAngekommen - Mathias FreiheitKlassenmaß für Kurvenhatz und Windschnitt - Der 3er BMW„Play Golf – Have Fun”Pure Verführung - Klosterladen in Bad DoberanLiebe Leserin, lieber Leser,
Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…
Essen ohne Schnickschnack - Lutz Severin
Angekommen - Mathias Freiheit
Klassenmaß für Kurvenhatz und Windschnitt - Der 3er BMW
„Play Golf – Have Fun”
Pure Verführung - Klosterladen in Bad Doberan
Liebe Leserin, lieber Leser,
Werbung

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken. "Mir scheint, nein, ich weiß es, dieser Spruch ist Lebensmaxime von Dr. Mathias von Hülsen. Ein hehres Ziel des Intendanten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ohne geht es nicht. Wie sonst könnten sich die Festspiele MV zur prägenden Marke unseres Bundeslandes entwickelt haben. In der von Hülsen’schen Wohnung am Schweriner Pfaffenteich plauderte ich mit ihm und seiner Ehefrau Dorothy – aber nicht nur über die Festspiele. Ein wunderbar bodenständiges Paar.


Lesen Sie mehr.

Newsletter


Vorname
Name
E-Mail
Ja ich möchte den Delüx Newsletter erhalten.

Roversi - Licht ist Leben

22.09.2010

Schönheit - ein großes Mysterium


Paolo Roversi zählt zu den ganz Großen in der Welt der Modefotografie. Sein Werk hat längst den Status von Kunst erreicht, wie eine Ausstellung am Schwanenteich zeigt. Bis 14. November sind in der Kunsthalle vor allem Porträt- und Aktfotos des gebürtigen Italieners zu sehen. Zur Vernissage hat sich der äußerst zurückgezogen lebende Wahl-Pariser der Öffentlichkeit gestellt.

Ganz still sitzt er auf seinem Stuhl an der Stirnseite des Pressekonferenz-Tisches. Nur seine blauen Augen hinter den runden Brillengläsern wandern hin und her zwischen den Rednern, die ihn und sein Werk vorstellen. Gelegentlich nestelt Paolo Roversi an seinem anthrazitfarbenen Metall-Brillengestell, nippt an einer Teetasse. Zurückhaltend, bescheiden, beinahe verlegen wirkt der schlanke, knapp 1,90 Meter große Grauhaarige im elegant-schlichten dunkelblauen Hemd über schwarzen Jeans – einer der gefragtesten Modefotografen der Welt.

Milla Jovovich, Kate Moss, Nadja Auermann – kaum ein berühmtes Model, das nicht vor seiner Kamera stand. Dior, Armani, Yves Saint-Laurent – kaum ein Designer, der seine Kleider nicht von ihm fotografiert sehen wollte. Doch Namen sind nicht das, was den öffentlichkeitsscheuen Italiener inspiriert: Licht und Schönheit will er mit seiner 8 x 10-Zoll-Polaroidkamera einfangen, seit 30 Jahren sein bevorzugtes Arbeitsgerät. „Licht ist Leben“, sagt er. „Wenn ich an Licht denke, denke ich an die Sonne. Am liebsten fotografiere ich mit Tageslicht, das durchs Fenster scheint. Wenn ich das tue, denke ich immer daran, welchen Weg das Licht zurückgelegt hat, um mein Modell zu erreichen.“ Und Schönheit? „Ist ein großes Mysterium. Und ich möchte, dass es das bleibt. Ich will es nicht ergründen und erklären, ich bin ja kein Philosoph.“

Wenn der 62-Jährige, der fließend Französisch und Englisch spricht, redet, wirkt er plötzlich sehr lebhaft. Runzeln tanzen über seine Stirn und wenn er, gerne auch über ein eigenes Bonmot, lacht, graben sich tiefe Grübchen in die Wangen über dem sorgfältig gestutzten grauen Vollbart. Ein bisschen mehr zum Thema Schönheit hat er doch noch zu sagen: Dass er mit ihr groß geworden ist, in Form der kostbaren Madonnen und prächtigen Mosaiken in den Kirchen und Palästen seiner Geburtsstadt Ravenna. Und dass ihn kindliche oder auch androgyne Züge an Frauen besonders faszinieren. Genau diese Züge bannt er immer wieder auf Filmpapier, vor allem in den Porträts und Akten, die er neben der Mode fotografiert. Und von denen die Kunsthalle jetzt 150 zeigt.

Bei seiner Ankunft am Flughafen Berlin-Tegel hatte der Fotokünstler, der seit fast 40 Jahren in Paris lebt, eine riesige Überraschung im Gepäck: eine Kiste mit 53 schwarz-weißen Porträt- und Aktaufnahmen, die noch nie gezeigt wurden. Eine Serie, die er vergangenes Jahr an zwei Tagen mit dem russischen Supermodel Natalya Vodianova schoss, seiner Muse, mit der er seit fast zehn Jahren immer wieder zusammen arbeitet. Deren kindlich-erotisches Gesicht die Rostocker Ausstellungsplakate ziert und auch Roversis Lieblingsfoto: „Das wechselt. Aber zur Zeit ist es dieses“  – die nackte Natalya ausgestreckt auf einem Sofa, aufgenommen  vor sieben Jahren.
Ob es schwer sei, mit den oft als kapriziös verrufenen Topmodels zu arbeiten? „Nein. Bei mir war noch keine besonders anstrengend.“ Auch von der als extrem zickig geltenden Naomi Campbell kann er nichts Negatives berichten. Hingegen schwärmt er von ihrer Haut, die im Licht einen ganz besonderen Schimmer habe. Schwieriger sei es hingegen, Schauspielerinnen zu fotografieren. „Weil sie es gewohnt sind, zu spielen. Was oft dazu führt, dass sie auch vor meiner Kamera sich selbst erst mal spielen.“ Roversi aber will sein Motiv unverstellt, natürlich, pur. So fing er letztlich auch sie ein: Isabella Rossellini, Tilda Swinton, Cathérine Deneuve. Gefragt nach einem Modell, das er gern noch vor der Linse hätte, wünscht er sich trotz des erhöhten Schwierigkeitsgrades einen Mimen: „Clint Eastwood.“

Der Mann, der in seiner fast ein halbes Jahrhundert währenden Laufbahn unzählige Fotos gemacht hat, ist selber kamerascheu. Als er bei der Pressekonferenz für die Fotografen posieren soll, tut er das eher ungelenk. Sein Blick schweift immer wieder hilfesuchend zu seiner Frau, die ihn zur Ausstellungseröffnung nach Rostock begleitet hat. Die Französin Laetitia Firmin-Didot war in den 1980er-Jahren ein sehr erfolgreiches Model, das die Magazin-Cover von „Elle“ bis „Vogue“ ebenso zierte wie Kampagnen für Chanel, Cerruti, Yves Saint Laurent. Bei einem Shooting vor mehr als 20 Jahren lernten sich die beiden kennen – und sind seither ein Paar.

Der ungeliebten Foto-Session mit ihm im Mittelpunkt setzt Roversi schließlich ein Ende, indem er mit seiner stets etwas heiser klingenden Stimme auf Englisch ruft: „Und nun noch ein paar Fotos mit meiner Frau.“ Die er dann umfasst wie einen rettenden Anker. Noch ein freundliches Lächeln in die Kameras, ein zärtlicher Kuss auf ihre Stirn – und endlich kann sich der berühmte Fotograf dem zuwenden, was er viel lieber mag als Pressetermine. Und wofür er an die Warnow gekommen ist: die Ausstellung seiner Bilder, bei deren Anordnung an den Wänden der Kunsthalle er das letzte Wort hat.
 
Text/Fotos: Renate Gundlach

BU 1: Paolo Roversi m

 

it seiner Frau Laetitia, ein ehemaliges Model. Das Paar hat drei Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren.

BU 2: Reihe der Original-Polaroids von Natalya, die Roversi als Überraschung mitgebracht hat.
BU 3: Natalya ist eines von Roversi Lieblings-Modellen. Dieses Aktfoto von ihr aus dem Jahre 2003 ist zurzeit sein Lieblingsbild.