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| Oliver Fudickar. |
Wenn US Rapper und Superstar „50Cent“ zur Flasche greift, dann wird es richtig teuer. Statt 50 Cent sind dann eben schon mal gut 100 Dollar angesagt. Der Mann rappt nicht etwa mit Champus in der Hand über die Bühne. Was ihn fit hält ist allein Wasser. Wasser pur. Das Beste vom Besten. Wie es sich für einen angesagten Typen des Showbuisness gehört. „Bling H²O Limited Edition“. Der Champus unter den Wassern. Das teuerste was derzeit zu haben ist, Luxus pur.
Oliver Fudickar, Chef im „Restaurant & Bar Silo 4“ in Rostock hofft, dass – weitab von Hollywood – ein bisschen Feeling vom Weltzentrum der Schönen und Reichen auch in die vergleichsweise eher beschauliche Hansestadt überschwappt. Bei ihm ist die Flasche für schlappe 99 Euro zu haben. Das edle Wässerchen steckt verkorkt in einer handgearbeiteten Milchglasflasche, die - und das ist der absolute Höhepunkt – rundum mit Swarovski-Kristallen besetzt ist. So, wie sie auch „50Cent“ liebt und fast ständig trägt. Weil aber auch der hin und wieder rechnet, hat er sich inzwischen als Mitinhaber bei der Luxus-Wassermarke eingekauft. Das macht die Sache günstiger. In Rostock ist unterdessen der volle Preis zu entrichten. Und so wartet Oliver Fudickar inzwischen schon über 100 Tage auf die erste Bestellung. „Der Tag wird aber kommen“. Da ist sich der 21-jährige ganz sicher. Allerdings wird der Gast dann nicht den Korken knallen lassen können. Bling ist ein stilles Wässerchen. Da wirken also keinerlei Kräfte von drinnen und draußen. Da muss schon ganz schnöde zum Korkenzieher gegriffen werden. Die recycelbare Flasche anschließend in die gelbe Tonne zu entsorgen, wäre natürlich pure Verschwendung. Da freut sich womöglich nur der Müllmann. Die gehört ins Wohnzimmer, oder noch besser ins Büro. Frei nach dem Motto: Seht her, was ich mir leisten kann. Bling steht im US-Sprachgebrauch bekanntlich für auffallenden Schmuck. Sehen und gesehen werden.
Aber auch für all diejenigen, die es vorerst noch etwas ruhiger angehen lassen wollen, hält der „Herr der edlen Wässerchen“ einiges in seiner Kühltheke am Stadthafen bereit. Bis zum Kauf unter Verschluss. Hier geht es zu, wie beim Juwelier.
Was „50Cent“ kann, das kann Madonna schon lange. Weil die aber vergleichsweise wesentlich mehr Fans hat, als der Rapper, gibt es das Wasser der Kabbalah-Fanatikerin vergleichsweise etliche Dollar günstiger. Weil, so ist die Nachfrage auch um ein Vielfaches höher. Gewonnen wird es aus einem von Vulkangestein umgebenen artesischen Brunnen in Fidschi. Im Urwald, im hintersten Yaqara Tal auf der Insel Viti Levu. 1997 wurden die ersten Flaschen in die USA, inzwischen auch nach Kanada, die Karibik, nach Großbritannien und eben auch nach Rostock geliefert. Das besondere an diesem überaus reinen Wasser ist, dass es mittels eines einzigartigen Verfahrens abgefüllt wird. Das heißt, dass es bis zum Öffnen der Flasche nicht mit der Atmosphäre, also auch nicht mit Sauerstoff, in Berührung kommt. Das ist besonders gesundheitsfördernd, proklamiert Madonna. Und weil viele so sein, vor allem noch mit 50 so aussehen wollen, wie sie, trinken zunehmend mehr Menschen „Fiji Water“. Da hört man einfach weg, wenn Kritiker meinen, durch den ewig langen Transport von der Fidschi Insel hin in alle Welt wird die Umwelt über Gebühr belastet. Gesundheitsfanatiker kennen keinen Schmerz. Kein Tag auf ihrer aktuellen „Sticky an Sweet“-Tour, an dem die Pop-Ikone nicht ihren angesagten Durstlöscher fotogen in eine Kamera hält. Wo immer sie sich aufhält, das Wasser wird ihr gleich kistenweise hinterhergeschickt, oder ist schon da. Kostenpunkt pro Monat: 10.000 Dollar. Das „falsche“ Wasser im Hotel und Madonna macht auf dem Absatz kehrt.
Als „Einstiegsdroge“ im „Restaurant & Bar Silo 4“ empfiehlt sich unterdessen das norwegische Gletscherwasser VOSS. Da muss man nicht gleich sagen: Durst gelöscht – Geld alle. Kenner loben die edlen Tropfen als absolut geschmacksneutral und weich am Gaumen. Keine andere Quelle der Welt ist mit der VOSS Quelle vergleichbar. Erst knapp zehn Jahre am Markt hat die Firma mit Sitz in Oslo ihren Umsatz nahezu explosionsartig gesteigert. Allein innerhalb der vergangenen drei Jahre von 14 auf 57 Millionen Kronen. Weil allerdings Kronen, Swarovski-Kristalle, auf der Flasche selbst fehlen ist dieses Wässerchen schon mal für knapp sechs Euro zu haben. Und das, obwohl kein geringerer als Modeschöpfer Calvin Klein die zylindrische Designer-Flasche entworfen hat. Wie überhaupt sich die Luxusmarken zunehmend in an Flakons erinnernde Flaschen wieder finden. Duftende Trinkwässerchen sind übrigens noch ein ganz besonderes Angebot.
Legendär inzwischen auch die Ölfus-Quelle – nur ein paar Hundert Kilometer von Norwegen entfernt - in Island. Zwar musste der Staat selbst gerade Insolvenz anmelden, aber das konnte die Produktion des Icelandic Glacier Wasser bis zum heutigen Tag keineswegs trüben.
Der letzte Schrei: Cloud Juice -Regenwasser aus Tasmanien. Eine Quelle, die gar keine ist. Stattdessen sammelt eine überdimensonale Kunststoffüberdachung jeweils genau 9.750 Tropfen für eine Flasche aus der regenreichsten Region der Welt ein. Um Nachschub braucht sich da niemand zu sorgen. Eigentlich ist es Nebel, der als Regen auf die Insel fällt. So rein, so sauber, das das Ganze nur noch ultra violett sterilisiert werden muss, um zum Trinkgenuss zu werden.
Wochenlang hat Oliver Fudickar auf der Fachschule damit zugebracht, um sich in die Geheimnisse rund um das Wasser einführen zu lassen. Als Wasser-Sommeliers sieht er sich trotzdem nicht. Aber auf gutem Weg dorthin. Und gern würde er seine Gäste mitnehmen. „Hauptsache teuer. Darüber lässt sich hervorragend streiten. Hauptsache gesund - diese Einschätzung ist unbestritten. Es muss ja nicht auf ewig bei Volvic, Evian, S. Pellegrino, Güstrower Schlossquell, Gerolsteiner oder Glashäger bleiben“, sagt der Gastronom. Jedenfalls nicht ausschließlich.
Jürgen Drewes