Mehr als sonst. Natürlich, werden Sie sagen, das war doch zu erwarten – nach den wochenlangen Eskapaden von und um „KT” zu Guttenberg. Nein, so ist es nicht. Das Thema wird in mehreren Beiträgen von Autoren höchst unterschiedlicher Provenienz behandelt, war lange geplant, so wie für ein Vierteljahres-Magazin durchaus üblich und notwendig.
Der adlige Ex-Minister hat natürlich in eine hier gebrauchte Aktualität reingespielt. Wird er nun, oder wird er nicht? Reicht salamischeibenhaftes Eingeständnis nach offenbarem Verfehlen? Was bewirken untadliges Auftreten, brillante Rhetorik und dererlei Attribute, die gemeinhin dem Adel zugetraut und ihm ja auch abverlangt werden.
Mit Christine Gräfin von Brühl, Journalistenkollegin und Nachfahrin des nämlichen Grafen, dessen Namen für die Dresdner Terrasse mit dem Zauberblick über die Elbe steht, haben wir geplaudert und ihre Gedanken mit „Bleibe demütig und bescheiden” getitelt, was sich nicht in Sonderheit auf nämlichen zu Guttenberg bezieht, obwohl der in ihrer Betrachtung auch eine Rolle spielt. In der mecklenburgischen Adelswappen-Serie wird diesmal der Familie von Plessen das besondere Gen bescheinigt, was ihr wohl auch den Bestand seit 20 Generationen in Damshagen, im Klützer Winkel, ermöglichte. Rostocks Adelsforscher Prof. Ernst Münch kommt nicht umhin festzustellen, dass unsere Landesgeschichte ohne Adel unvorstellbar ist, auch eingedenk der Tatsache, dass besagten Blaublütlern zumindest seit 1918 in Deutschland viel an politischer Macht genommen wurde. Richtig bedacht, ist es doch untauglich, gewisse Eigenschaften, bestimmte Werte nur den einen zuzuordnen, anderen darum entschieden abzusprechen. Das tun wir nicht. Das Heft enthält Geschichten, die das beweisen.
In der Beschreibung durch Renate Heusch- Lahl versinken ein jüdisches Mädchen und ihr deutscher Freund in tiefer Liebe. Wunderbar einfühlsam.
Die Rostocker Galeristen Fuhrmann lassen sich nicht verbiegen, nur dem schnöden Mammon zu folgen. Die Vollbluthoteliers Manuela und Armin Hoeck gehen auf Burg Schlitz mit Vehemenz daran, sich als neue Eigner des klassizistischen Herrenhauses so einzubringen, dass Graf Schlitz entzückt wäre.
Diese Geschichten, und viele andere, können Sie, verehrte Leser, im aktuellen „delüx“ lesen.
Vielleicht stimmt es doch, im weiten Sinne, dass Adel verpflichtet. Das aber nur auf einen geburtenbedingten Stand oder gar nur eine „KT“ -Person zu beschränken, wäre dann doch wohl weit gefehlt.
Die Autoren unseres Heftes schreiben auch, um für ein eben solches Verständnis zu
werben.
Vergnügliches Lesen wünsche ich Ihnen.
Ihre Regina Rösler
Leitende Redakteurin