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Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…
Essen ohne Schnickschnack - Lutz Severin
Angekommen - Mathias Freiheit
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken. "Mir scheint, nein, ich weiß es, dieser Spruch ist Lebensmaxime von Dr. Mathias von Hülsen. Ein hehres Ziel des Intendanten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ohne geht es nicht. Wie sonst könnten sich die Festspiele MV zur prägenden Marke unseres Bundeslandes entwickelt haben. In der von Hülsen’schen Wohnung am Schweriner Pfaffenteich plauderte ich mit ihm und seiner Ehefrau Dorothy – aber nicht nur über die Festspiele. Ein wunderbar bodenständiges Paar.


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Klaus Dieter Blasche

01.07.2008

Klaus Dieter Blasche, Käpt’n der Yachthafen-
residenz.

„Kann ich Ihnen was abnehmen?“ fragt mich Klaus Dieter Blasche, als ich beim Rundgang durch die Yachthafenresidenz Hohe Düne kurz mit Aktentasche, Diktiergerät und Kamera jonglieren muss. Sein Blick sagt mir: Der meint das ernst! Er hat graues Haar, trägt einen marineblauen Anzug mit Schlips und es scheint, als hätte er in den 67 Jahren seines Lebens nie etwas anderes angehabt. Ich spaziere neben ihm in Barfuß-Sandalen, Jeans und Hemd durch die 5-Sterne-Landschaft! Was sollen denn die Mitarbeiter denken, wenn mir der General Manager die Tasche trägt? „Nein danke, geht schon.“

Dreimal musste ich beim Gespräch in der Kaminbar neu ansetzen, um etwas halbwegs Persönliches über ihn zu erfahren. Blasche schweift ab, redet lieber über die vier Säulen des Unternehmens: Über den Yachthafen mit seinen 750 Liegeplätzen, der als erster in Deutschland vor drei Jahren die fünf blauen Sterne vom Deutschen Tourismusverband Bonn und dem Bundesverband für Wassersportwirtschaft verliehen bekam. Über das Konferenzzentrum mit seinen vielfältigen Möglichkeiten und den großartigen Ausblicken hinüber nach Warnemünde, zum Kreuzfahrtkai und zu den Fähren, die zum Anfassen nah vorübergleiten. Über die Spa- und Wellness-Welt mit ihrem Schwimmbad, den Saunen und Massagen und dem neuen Aqua-Motion-Relax-Pool, der die Gäste mit Unterwasser-Musik verwöhnt. Über das Hotel mit seinen 345 Zimmern und 23 Suiten, das am heutigen Tag zu 98 Prozent ausgelastet ist. Aber morgen ist Freitag, dann kommen noch die Wellness-Wochenendler aus Berlin, Hamburg und Hannover hinzu. Angesichts solcher Zahlen winkt Klaus Dieter Blasche ab: „Es ist Ferienzeit. Da ist jedes nur halbwegs gut geführte Hotel an der Ostseeküste ausgelastet.“ Stolz ist er eher darauf, dass man auch im Winter schon mal Gäste in andere Hotels vermitteln muss – rüber zu den Mitbewerbern.

Klaus Dieter Blasche ist ein Kriegskind. Die Flucht verschlug den Vierjährigen von seinem Geburtsort bei Breslau erst nach Großenhain in Sachsen und später nach Wiesbaden. Sein Vater war nach der Entlassung aus der Gefangenschaft dort hängengeblieben. Jahrzehntelang arbeitet er sich in der Versicher­ungsbranche nach oben. Zuletzt saß er für 14 Jahre im Vorstand zweier großer Versicherer in Deutschland. 1999 wollte er es noch mal wissen: Er wurde angesprochen, ob er dem Immobilienfond für das Land Fleesensee nicht auf die Sprünge helfen könne? Eine große Ferienanlage, die eine Stunde Autofahrt von der beliebten Ostseeküste entfernt war? Bei Göhren-Lebbin, bisher ausschließlich bekannt für seine Schweinezucht – und selbst das nur in Landwirtschaftskreisen? „Nun, wir haben das hinbekommen“, sagt Klaus Dieter Blasche knapp und stolz. Ein gutes Gefühl, um sich zur Ruhe setzen zu können. Um zurückkehren zu können nach Wiesbaden, um bei seiner Frau zu bleiben und die beiden erwachsenen Kinder vielleicht öfter zu sehen. Aber da kam ihm der Bauinvestor Per Harald Lökkevik in die Quere. „Ich wollte wirklich nicht“, sagt Klaus Dieter Blasche. „Bis er mir das Projekt zeigte: Großzügiger Hafen, Terrassen und Freitreppen, drei Hotelgebäude und das Kongresszentrum. Das war nicht nur eine grandiose Idee an einem wunderbaren Ort. Das war ein Konzept, das bis ins Detail durchdacht war. Ich konnte nicht nein sagen.“ Nur eins bat er sich von Harald Lökkevik aus: Dass er mit dem Baugeschehen selbst nichts zu tun haben würde. „Davon hab ich nämlich keine Ahnung.“ Was Blasche wirklich gelernt hat, ist Marketing. Und das sei überall gleich, ob man nun Versicherungen verkaufe, Autos oder eben eine Hotelanlage. „Die Strategien sind immer die gleichen. Aber man muss natürlich sich das jeweilige Produktwissen aneignen, sonst fällt man auf die Nase.“

Foto: Yachthafenresidenz

Dann bietet er sich an, mich durch die Anlage zu führen. Er klopft am Serviceraum der Kaminbar an, bevor er eintritt und bei seiner Mitarbeiterin plaudernd die Rechnung über seine Cola light unterschreibt, die er tagsüber immer trinkt. Auch in der Sport Bar, im Amarillo Steak und in der Pizzeria da Mario begegnen dem Chef freundliche Blicke. Also: richtig freundlich. Ohne die Sekundenbruchteile der Erstarrung, die man sonst kennt, wenn der Chef unverhofft reinschneit. Blasche braucht nur einen Blick, um zu sehen, dass der Laden läuft. Er vergisst auch nicht nachzuschauen, ob seine Anweisung, den Raucherplatz auf dem Balkon des Kongresszentrums zu säubern, ausgeführt wurde. „Manche unserer Gäste ignorieren die Aschenbecher. Aber hier dürfen natürlich keine Kippen herumliegen.“ Blasche führt sein Unternehmen von oben und prüft es von unten: Er spricht die Gäste beim Auschecken an der Rezeption an, fragt sie, ob sie zufrieden waren. 1,4 Prozent seiner Gäste sind es nicht: Es gibt Probleme mit lauten Kindern, mit mitgebrachten Tieren, mit rauchenden und nichtrauchenden Gästen. „In den meisten dieser Fällen hätten wir reagieren können, wenn uns rechtzeitig Bescheid gegeben worden wäre,“ schätzt er ein. „Aber allen kann man es nie recht machen. Nicht mal in diesem Hotel.“

Wir drehen eine Runde vorbei an den Pinien, die sich glücklicherweise als winterfest erwiesen haben, hinüber zum Landesteg der Hafenbarkasse „Silvia“ mit 40 Plätzen, die er in Hamburg gefunden hat. Er spricht immer noch voller Bewunderung von dem Ehepaar, das jahrelang jede Minute in das alte Schiff steckte und es in einen selten guten Zustand versetzten. Es bringt jede halbe Stunde die Gäste zum Alten Strom nach Warnemünde, zur Hanse Sail natürlich viel öfter: „Da war der Fahrplan praktisch außer Kraft.“

Dann geht es weiter zur „Elvira“, der Kogge von Käpt`n Blaubär, in der die Kinder der Gäste abenteuerliche Stunden und geschulte Betreuer erwarten. „Wir haben gelegentlich Beschwerden, wenn die Eltern ihre Kinder wieder abholen wollen“, sagt Blasche lächelnd. „Die wollen meistens noch bleiben.“

Weiter geht es zur Bootshalle, eigentlich als Messehalle für eine Yacht-Dauerausstellung gebaut und später zur Feierhalle mit Bar umfunktioniert, für Partys mit Disko, Filmvorführungen und Livemusik. Dann steht Klaus Dieter Blasche auf dem großen H des neuen Hubschrauberlandeplatzes auf dem Servicekai des Hafens und sieht plötzlich verzweifelt aus: „Wenn wir vorher gewusst hätten, was das für eine Genehmigungstour durch sämtliche Instanzen nach sich zieht, wir hätten es wohl bleiben lassen.“ Aber für die Manager großer Unternehmen sei es wohl eine Prestigefrage, mit dem Hubschrauber zu den Aktionärsversammlungen einzuschweben.

Unser Rundgang endet im Admirals­club im obersten Stockwerk des Hauptgebäudes. Ein Bereich, der den VIP-Gästen vorbehalten bleibt. Über Namen schweigt er sich aus. Doch die meisten der Stars, die in der Stadthalle und im IGA Park auftreten, übernachten hier. Wie auch viele Fußballmannschaften, als Hansa noch in der ersten Liga spielte. „Wenn Hansa gewann, freuten wir uns für Hansa. Wenn Hansa verlor, freuten wir uns auch: Fußballspieler sind auch abergläubisch, die kommen lieber an die Orte ihrer Siege zurück als an die ihrer Niederlagen.“ Zur Namensgebung des Clubs schaffte es Klaus Dieter Blasche, 40 Admiräle zu einer feuchtfröhlichen Taufparty zu versammeln. Dabei hat Deutschlands Marine derzeit nur drei Admiräle, 37 von ihnen waren bereits pensioniert. Eine Anekdote, die wieder ein stolzes Lächeln in das Gesicht von Klaus Dieter Blasche zaubert. Aber die auch vermittelt, wie sich die Yachthafenresidenz deutschlandweit herumgesprochen hat, ein südländischer Stil, der sich nicht durch edle Anzüge und teure Uhren, sondern durch sportliche Eleganz und Gelassenheit auszeichnet. Man kann sich hier einfach wohl fühlen.

98,6 Prozent der Gäste verlassen die Yachthafenresidenz zufrieden. Das ist die einzige Zahl, auf die Klaus Dieter Blasche wirklich stolz ist. Diese Zufriedenheit ist es, die Blasche auch die Gelassenheit für seinen 14-Stunden-Job verleiht. Er sei zwar auch hierher gekommen, weil er als passionierter Segler auf ein paar schöne Törns hoffte. Aber das habe bisher nicht einmal geklappt in den fünfeinhalb Jahren. Nur mit der hauseigenen „Santa Barbara Anna“ sei er mal mitgefahren. Und wieder auf der „Greif“ bei der Hiorten-Regatta von Karlskrona nach Rostock, die in diesem Jahr wegen des Sturmes nicht gewertet wurde: Brecher von Luv und Lee, zerrissene Segel, schlaflose Nächte. Es ist zwar nicht gesagt, dass aus Männern, die auch bei Windstärken zwischen 10 und 11 den Kopf oben behalten, auch gute Manager werden. Aber schaden können solche Erfahrungen sicher nicht.

Das Schwimmbad habe er nur einmal ausprobieren können, die Sauna habe er aber schon zweimal besucht. Immer nur Arbeit? Nein, am Freitagabend entspannt er sich: Mit genau zwei kleinen Bieren und zwei Averna auf der Terrasse der Sportsbar, mit dem Blick auf den Sonnenuntergang.

„Kann ich noch etwas für Sie tun?“ fragt er mich beim Abschied nach zwei Stunden. Wieder lehne ich dankend ab. Erst als ich das Diktiergerät abhöre, fällt mir auf, dass Klaus Dieter Blasche nicht einmal das Wort „Stolz“ in den Mund genommen hat. Das nächste Mal drück ich ihm wirklich meine Aktentasche in die Hand. Der meint das ernst.

Frank Schlösser