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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken. "Mir scheint, nein, ich weiß es, dieser Spruch ist Lebensmaxime von Dr. Mathias von Hülsen. Ein hehres Ziel des Intendanten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ohne geht es nicht. Wie sonst könnten sich die Festspiele MV zur prägenden Marke unseres Bundeslandes entwickelt haben. In der von Hülsen’schen Wohnung am Schweriner Pfaffenteich plauderte ich mit ihm und seiner Ehefrau Dorothy – aber nicht nur über die Festspiele. Ein wunderbar bodenständiges Paar.


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Hermann Freiherr von Blomberg

17.06.2008

Mecklenburg-Vorpommern: Gute Chancen, keine negativen Nachrichten

Ein Klavier. Hermann Freiherr von Blomberg, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank für die Region Ostsee/Lübeck und Chef der Marktregion Rostock/Neubran­denburg, schmunzelt. „Nun, ich kann Happy Birthday, ein Seemanns- oder Weihnachtslied drauf spielen, aber nicht mehr.“

Hermann Freiherr von Blomberg, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank für die Region Ostsee/Lübeck, lebt und arbeitet seit 1992 in Mecklenburg-Vorpommern.

Wie kommt bloß dieses antiquierte Stück in sein modernes, fast gläsernes Büro, in Rostocks Kröpeliner Straße 84? „Es stammt aus dem Fundus der ehemaligen DDR-Staatsbankfiliale Schwerin. Mein Vorgänger, der zuvor dort arbeitete, brachte es mit.“ Seitdem steht es nun mal hier. „Warum allerdings die Staatsbank Schwerin ein Klavier hatte, weiß ich nicht.“ Von Blomberg lässt das Saiteninstrument immer noch regelmäßig stimmen. „Und wenn einer meiner Filialleiter zwischen Rügen, Lübeck und Neubrandenburg Geburtstag hat, spiele ich ein Ständchen durchs Telefon.“ Es menschelt in diesem wohl eher sachlich wirkendem Hause. Deutsche Bank, das größte Kreditinstitut Deutschlands, wie es heißt.
 
„Unsere Stärke ist vor allem die Finanzierung, weil Mecklenburg-Vorpommern ein Bundesland mit vielen Gründungen mittelständischer Betriebe ist“, umreist Hermann Freiherr von Blomberg die Bedeutung seines weiten Arbeitsbereiches. Die Deutsche Bank biete zahlreiche innovative Produkte zur Unternehmensfinanzierung an. Und setzt stolz nach: „Wir haben in den neuen Bundesländern einen deutlich hohen Marktanteil“. Was vor allem zurückzuführen sei auf das ausgesprochen gute Know-how der Deutschen Bank und die Übernahme der einstigen Staatsbank der DDR bereits 1990. „Wer damals, 1990, etwas auf sich hielt oder besondere Finanzlösungen suchte, ging eben zur Deutschen Bank.“ Das sei heute noch so.
„Im Privatkundengeschäft habe man in Mecklenburg-Vorpommern einen Marktanteil von etwa zehn Prozent, einen doppelt so hohen wie zum Beispiel in Hamburg.“ Ähnlich gut seien die Zahlen im Geschäftskundenbereich.
 
Hermann Freiherr von Blomberg, gebürtiger Niedersachse, kam 1992 von Hamburg nach Mecklenburg-Vorpommern. Heute lebt er im tiefsten Mecklenburg, nahe Bützow, in der Gemeinde Warnow. „In Eickelberg, nach einer wunderschönen langen Kastanienallee“, beschreibt der Banker seine Idylle. Natürlich auch ein ideales Revier für einen passionierten Jäger. Auf dem Lande sei man in Mecklenburg-Vorpommern als Jäger gut aufgehoben. „Wenn während der Ernte die Wildschweine aus den großen Rapsschlägen kommen …“, erscheint Erlebtes vor seinem geistigen Auge.
 
Eickelberg, ist das jetzt Heimat oder nur Wohnort?
„Es ist mein Zuhause. Heimat, glaube ich, bleibt immer dort, wo man geboren wurde.“ Er habe sich allerdings entschieden, hier zu leben. „Deshalb auch eine zweite Hauserweiterung.“
Von Blomberg lehnt sich zurück. Wie lebt es sich fernab der Großstadt? Schließlich hat der große, hanseatisch stolz wirkende Mann viele Jahre in Hamburg gelebt und gearbeitet. „Das Leben auf dem Land ist für mich und meine kleine Familie schon in Ordnung.“ Dann kommt ein leichtes Aber: „Ich komme in der Regel spät abends nach Hause, ich habe nun mal keine 39-Stunden-Woche. Im Sommer versuche ich, noch mal auf die Jagd zu gehen und etwas von meinem Grundstück zu haben. Am Wochenende mähe ich gern den Rasen. Dort leben muss eher meine Frau.“ Die habe Gott sei dank einen Job, den sie per Computer von zu Hause aus machen kann. „Dazu noch unseren Sohn, Hund, Pferd.“ Keinen Tag haben er und seine Familie bereut, hier zu sein, „weil Privates und Dienstliches passen.“ Segeln? „Nein, überhaupt nicht. Ich gehörte zwar mal ein Jahr auf der ‚Gorch Fock’ zur Stammbesatzung, aber das hat gereicht.“ Angeln? „Aber ja, das ist schone eher was für mich.“ Gerade sei er mit einem Kollegen, einem Regionsleiter aus Leipzig, zum Lachsfischen vor dem Kap Arkona gewesen. Lachse von neun Kilo und sieben Kilo gingen an den Haken. „Die habe ich filetiert, und eingefroren, einige Stücke eingelegt und zubereitet. Jetzt gibt es ab und zu zum Frühstück selbst gefangenen Lachs“. Kochen? „Ja, einen kleinen Hang dazu muss man als Jäger schon haben.“ Kultur? „Ich liebe die klassische Musik, die hole ich mir während der vielen Autofahrten über NDR-Kultur.“ Und dann seien da die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. „Die Deutsche Bank sponsert drei Konzerte.“ So freut er sich, jedes Jahr mit über 100 Kunden das Konzert im ostvorpommerschen Stolpe zu besuchen. Viele andere Konzerte erlebt von Blomberg gern mit der Familie.
 
Auch Berlin und Hamburg, die ergeben sich schon mal für einen Kunst- oder Kulturgenuss mit Freunden. Rostock? „Eine sehr schöne Stadt, vor allem die Kröpeliner Straße. Gott sei dank haben wir die Universität, die allerdings zu wenig aus sich macht. Zumal sie die älteste in Nordeuropa ist. Greifswald hat uns diesbezüglich den Rang abgelaufen. Leider“. Die Verkehrsberuhigung des Neuen Marktes ärgert ihn. „Die Entscheider sollten in solchen Fällen mehr auf die Taxifahrer hören. Die wissen am allerbesten, wie der Verkehr zu laufen hat.“
Für Mecklenburg-Vorpommern sieht Hermann Freiherr von Blomberg gute Chancen. „Ich habe keine negativen Nachrichten. Die Autobahn ist fertig, Werften, Schifffahrt, Tourismus, Landwirtschaft, alles blüht.“ Vor allem freue ihn, dass die Landwirtschaft beginne
„richtig zu investieren. Das tut gut. Auch der Deutschen Bank.“
 
Aber das demografische Problem Mecklenburg - Vorpommerns drücke. Immerhin hat das Land in den letzten fünfzehn Jahren etwa 200.000 Leute verloren. „Eine Stadt, so groß wie Rostock.“ Junge Leute sind nun rar. „Der Wende­kinderknick beschert uns weniger Auszubildende. Früher konnten wir sie uns aussuchen, heute haben sich die Schulabgänger im Land halbiert. Auf Rügen bekommen wir zum Beispiel gerade keinen Auszubildenden.“ Veraltern werde man hier, sagt von Blomberg nachdenklich. „Aber wiederum sind wir ein Bundesland für alte Menschen. Pensionäre aus den alten Bundesländern, die die Schönheiten unseres Landes kennen gelernt haben, ziehen nach Mecklenburg-Vorpommern. Nur das reicht nicht.“
 
Es kämen kaum junge Leute nach Mecklenburg-Vorpommern zurück. „Wer in Hamburg, Frankfurt/Main oder Berlin arbeitet, kommt nun mal nicht nach Mecklenburg-Vorpommern. Das Land finden alle schön, aber arbeiten will hier so recht keiner“, sagt der 52-Jährige nachdenklich. Provinz? Der Mann mit dem Adelstitel, der seit 1648 zu seiner Familie gehört, will das nicht so recht nachvollziehen.
 
Hermann Freiherr von Blomberg scheint, hier, im nordöstlichsten Bundesland Deutschlands, angekommen zu sein. Und er will wohl auch bleiben.
 
Regina Rösler
Text/Foto