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Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…Essen ohne Schnickschnack - Lutz SeverinAngekommen - Mathias FreiheitKlassenmaß für Kurvenhatz und Windschnitt - Der 3er BMW„Play Golf – Have Fun”Pure Verführung - Klosterladen in Bad DoberanLiebe Leserin, lieber Leser,
Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…
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Angekommen - Mathias Freiheit
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken. "Mir scheint, nein, ich weiß es, dieser Spruch ist Lebensmaxime von Dr. Mathias von Hülsen. Ein hehres Ziel des Intendanten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ohne geht es nicht. Wie sonst könnten sich die Festspiele MV zur prägenden Marke unseres Bundeslandes entwickelt haben. In der von Hülsen’schen Wohnung am Schweriner Pfaffenteich plauderte ich mit ihm und seiner Ehefrau Dorothy – aber nicht nur über die Festspiele. Ein wunderbar bodenständiges Paar.


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Harmonie

01.07.2009

Grüner Tee ist im Hause von Jörg und Shifeng Sinnig eine Köstlichkeit. Und ein absoluter Hingucker. Leicht schweben die schmalen, länglichen und knallgrünen Teeblätter im Glas. Der Anblick beruhigt, der Trunk belebt. Bei den Eheleuten gehört eben dieser grüne Tee zum Tag, „fast wie die Luft zum atmen“, sagt Jörg Sinnig.

Bis vor einigen Jahren hat sich der Mecklenburger Sinnig bestimmt nicht träumen lassen, gewisse Alltagsrituale des über 10.000 Kilometer entfernten Chinas zu leben. Die Liebe zu Shifeng, sie ist ursächlich dafür. Mit Shifeng ist der Vorstandsvorsitzende der SIV.AG seit zwei Jahren verheiratet. Gemeinsam leben die Sinnigs jetzt vor den Toren Rostocks, fast in Steinwurfnähe von Roggentin, dem Unternehmenssitz eines der führenden Softwareanbieter für Energiewirtschaft.
 
Shifeng, die noch immer Probleme mit dem Wetter zugibt und vor allem den häufig starken Wind
in Mecklenburg-Vorpommern beklagt, lebt trotzdem gern an der Ostsee. „Mir geht es gut“, strahlt sie mit einem umwerfenden Lächeln, das auch immer noch Jörg Sinnig rührt. Die hellen blauen Augen des 50-Jährigen strahlen weich und warm beim Anblick seiner kleinen, zierlichen Shifeng. Ihr fröhliches, offenes Wesen ist es wohl auch, von dem man sich gern einnehmen lässt.
 
Shifeng ist seit zehn Jahren in Deutschland, dem Studium der Landschaftsarchitektur in Hefei schloss sich ein weiteres für Innenarchitektur an der Kunstakademie München an. Und es war auch die Architektur, die die Chinesin und den Mecklenburger näher brachte – eben zu jener Zeit, als Jörg Sinnig Vorbereitungen für seinen Hausbau traf und innenarchitektonische Beratung suchte. Das Internet führte den Informatiker wohl eher per Zufall auf die chinesische Innenarchitektin, die damals in Hamburg arbeitete. Aus diesem Zufall wurde Liebe. Jörg Sinnig lacht. „Statistisch gesehen ist es der Anteil der Chinesinnen, die einen Mecklenburger heiraten, ziemlich gering. Sicher auch, weil es deutlich mehr Chinesinnen als Mecklenburger gibt.“
 
Harmonie beherrscht das Haus der Sinnigs, in dem schlichte Linien, moderne Formen, klare Farben dominieren. Rot, die chinesische Nationalfarbe, in Nuancen an den Wänden. „Eine europäisch-chinesische Mischung“, formuliert es Jörg Sinnig. Gelungen.
 
 
Die moderne Küche bildet die Mitte, eine großzügige Terrasse öffnet den Blick in eine verträumte, saftig-grüne Wiesenlandschaft. Auf dem Küchentisch ein Strauß frischer gelber Rosen, daneben die Keramikkanne mit grünem Tee. In Herdnähe steht der Wok, auf chinesisch Guo, wie Shifeng erklärt. 
 
Natürlich tut sich die Frage auf, wie speisen eigentlich die Sinnigs? Deutsch, mecklenburgisch oder chinesisch? „Morgens frühstücke ich typisch deutsch“, sagt Jörg Sinnig. Brötchen oder Schwarzbrot, Marmelade, Honig, Wurst, Käse. Verständlich, denn seine Frau bevorzugt zum morgendlichen Mahl eher Reis. Und den „sehr dünn in Wasser gekocht und scharf gewürzt.“ Oha! Ziemlich gewöhnungsbedürftig für deutsche Geschmäcker. 
 
 
Aber das gemeinsame Abendbrot, das wird zumeist auf chinesische Art genossen. „Es schmeckt exzellent“, schwärmt der Ehemann. „Die Mahlzeiten sind leicht und frisch, mit viel Gemüse und guten Gewürzen“. Natürlich wird mit Stäbchen gegessen. Allerdings, befindet Shifeng, sei das Gemüse, auf Grund der Importe in Deutschland, nicht immer frisch. „Auch mit zu vielen Konservierungsstoffen.“ Im hauseigenen Garten baut sie chinesische Gemüsearten, unter anderem auch Spargelgurken. Oder verschiedene Salate. Ein kleines Gewächshaus fördert diese Art der Selbstversorgung. „Das macht uns Freude, denn wir arbeiten beide sehr gerne im Garten.“
 
Shifeng öffnet eine große, tiefe Schublade der Küchenzeile. „So etwas gibt es wohl in keinem deutschen Haushalt“, lacht sie und zeigt mit einem Messbecher den Reisvorrat der Familie. „15 Kilogramm“. Die gewaltige Menge lässt auf wenig Kartoffelverbrauch im Hause Sinnig schließen. „Nun ja, Mecklenburger Rippenbraten, den gibt es bei uns äußerst selten“, ist zu hören.
 
Geboren und aufgewachsen ist Shifeng etwa 300 Kilometer westlich von Shanghai, in der Nähe von Hefei, Hauptstadt der Provinz Anhui. „In einem Dorf mit etwa10.000 Einwohnern“, wie sie sagt.
 
 
Des Öfteren treibt es die 33-Jährige allerdings in die Heimat. Heimweh? „Nein, das ist es nicht“. Obwohl sie eine enge Beziehung zur Familie habe. Der eigentliche Grund für ihre häufigen Chinareisen ist auf ihrer Visitenkarte nachzulesen: Bevollmächtigte der Handelskammer der chinesischen Provinz Anhui. „Das ist viel Aufbauarbeit verbunden“. Shifeng gießt grünen Tee nach. Er schmeckt mild und doch aromatisch. „Solch einen Tee gibt es nirgendwo in Deutschland.“ Sie bedauert das. Natürlich sind riesengroße Abpackungen bei der Rückkehr von einer Chinavisite im Gepäck, auch für eine inzwischen große Fangemeinde im Hause der SIV.AG. Möglicherweise wird es demnächst doch den „richtigen“ grünen Tee in Rostock geben. „Es ist bereits eine Vereinbarung in Hefei mit einem Geschäftspartner abgeschlossen, exklusiv chinesische Spezialitäten in Deutschland und Europa zu vermarkten.“ Deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen, ein Thema, bei dem Jörg Sinnig zur absoluten Hochform aufläuft. Wen wundert’s, der Mann ist unter anderem verantwortlich für die strategische Ausrichtung seines Unternehmens. „Wir sind daran interessiert, mit unserer Software im Bereich der Versorgungswirtschaft Chinas ins Geschäft zu kommen“, sagt Jörg Sinnig sachlich. In Russland, Mazedonien, Nordafrika, Bulgarien sei man unter anderem bereits präsent. „Die politischen Rahmenbedingungen für den Einsatz unserer Lösungen entwickeln sich in China derzeit sehr positiv.“ Die da sind? „Zum Beispiel das wachsende Umweltbewusstsein der Chinesen und der vernünftige Umgang mit den natürlichen Ressourcen“. China sei nun mal ein riesengroßes Land, und diese Tatsache gelange nur langsam in die Köpfe der deutschen Politiker und Verbraucher. Die SIV.AG sei derzeit mit Kommunalpolitikern der Provinz Anhui in einem gemeinsam Denkprozess, aus dem eine Menge hervorgehen könnte. „In China gibt es zudem ein super Wirtschaftsklima, ideale Voraussetzungen nicht nur für unsere Firma.“ Im Herbst dieses Jahres, erzählt Sinnig, wird es in Rostock Tage der chinesischen Kultur und Wirtschaft geben.
 
Shifeng Sinnig Anliegen ist es, als Handelskammerbevollmächtigte viele deutsche, vor allem mittelständische Unternehmen, über die Möglichkeiten auf dem chinesischen Markt zu informieren. „Investitionschancen, die sind dort nahezu unendlich. Leider Gottes ist auch dieser Fakt in Deutschland nahezu unbekannt.“ Angst vor einem fremden Markt, Furcht vor der Sprache und vor der Kultur und das Nichtvorhandensein eines Netzwerkes in China, darin sieht Jörg Sinnig vor allem Ursachen deutscher Zurückhaltung. „Ohne ein Beziehungsnetz, ohne politische Lobby sind natürlich gerade kleine und mittelständische deutsche Firmen in China auf verlorenem Posten.“ Hier sieht Jörg Sinnig die besondere Rolle seiner Frau als Handelskammerbevollmächtigte der Provinz Anhui, in der Mitte Chinas, wo etwa 65 Millionen Menschen leben. „Ein interessanter Markt. Wir können helfen, ein Investmentinitial zu zünden und seriöse Kooperationsbeziehungen aufzubauen.“ Ein guter Blick in das Morgen, nicht nur für Jörg und Shifeng Sinnig.
 
            Text/Fotos: Regina Rösler
 
 
BU´s:
 
1. Einfach glücklich: Shifeng und Jörg Sinnig.
10 000 Kilometer sind es bis in die chinesische Heimat von Shifeng.
 
 
2. Grüner Tee mit großen Blättern - für Shifeng Sinnig ein Genuss.