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Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…
Essen ohne Schnickschnack - Lutz Severin
Angekommen - Mathias Freiheit
Klassenmaß für Kurvenhatz und Windschnitt - Der 3er BMW
„Play Golf – Have Fun”
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken. "Mir scheint, nein, ich weiß es, dieser Spruch ist Lebensmaxime von Dr. Mathias von Hülsen. Ein hehres Ziel des Intendanten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ohne geht es nicht. Wie sonst könnten sich die Festspiele MV zur prägenden Marke unseres Bundeslandes entwickelt haben. In der von Hülsen’schen Wohnung am Schweriner Pfaffenteich plauderte ich mit ihm und seiner Ehefrau Dorothy – aber nicht nur über die Festspiele. Ein wunderbar bodenständiges Paar.


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Ganz oben war ich schon – als Spieler

16.09.2011
Stefan Beinlich trägt gerne Hut. Seine Frau allerdings sieht ihn damit nicht so gern. Hin und wieder setzt der Mann ihn trotzdem auf, immer dann, wenn er mit seinem „Westi” durch die Wiesen rund um Elmenhorst, unweit von Rostock,  streift. Auch bei seinem Abschiedsspiel am 15. November 2009 in der Rostocker DKB-Arena trug der 1,80-Meter Mann Hut.

Jetzt im beruflichen Alltag, also wieder Fußball, hat Stefan Beinlich erneut den Hut auf. Dem FC Hansa Rostock steht er seit einem guten Jahr als Manager vor.

In seiner aktiven Zeit war Beinlich in der Mannschaft der mit der Rückennummer 22 auf dem Trikot. Eine Wunschzahl? Der einstige defensive Mittelfeldspieler grient: „Ich habe an einem 22. geheiratet, bin mit 22 Jahren in die Bundesliga gekommen. Und eigentlich wollte ich mal zweiundzwanzig Tore in der Saison schießen.” Aber das habe nicht funktioniert. Nicht ganz. „Auf sechzehn bin ich gekommen. Gar nicht schlecht für einen Mittelfeldspieler”, tröstet sich der Mann ein wenig, über dessen gefährliche Freistöße man immer noch redet, noch heute.

Stefan Beinlich wird auch Paule gerufen. „Paule nur auf dem Sportplatz, meine Familie sagt Stefan.”  Das sei schon immer so gewesen. 

„Meine Familie  ist mir heilig, mein Rückzug. Deshalb möchte ich sie auch nicht in der Öffentlichkeit.” Ein kleiner Clan, wie er sagt, mit Ehefrau, drei Töchtern, die Eltern in Berlin. Seine Frau Katrin halte die ganze Familie zusammen. Das sei ihm wichtig bei seinem unregelmäßigen Job. „Für mich sind wir eine Bilderbuchfamilie.” Das ist  als Kompliment an seine Frau zu verstehen, mit der er seit 16 Jahren verheiratet ist. „Und nicht bereut“, fügt er augenzwinkernd nach.

Sportlich sind inzwischen auch  die drei
heran­wachsenden Töchter, natürlich. „Sie, Nancy, Nora und Kira machen ziemlich erfolgreich  Leichtathletik beim 1. LAV Rostock. Die Mädels haben Riesenspaß daran.” Jüngst gab es für die Großen,  vierzehnjährige Zwillinge, erste Starts bei Deutschen Meisterschaften in Cottbus. Immer wenn es die Zeit zulässt, schaue er auch „nebenan”, beim Training  in der Laufhalle oder im Leichtathletikstadion  vorbei.

Den ersten Fußball kickte Stefan Beinlich als Zweijähriger. „Damals, in Berlin-Pankow. Ich brauchte nichts anderes.” Wen wundert’s also, Fußballprofi zu werden, war Beinlichs Traum. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht,“  schwärmt der Linksfuß für seine Mannschaftssportart. „Du lernst schon als Kind, dich einzuordnen, lernst mit Sieg und Niederlagen umzugehen, etwas, was du im Leben später brauchst. Aus meiner Sicht eine gute Schule.”
Es ist möglich, dass das Ende der DDR 1989 für den damals 17-Jährigen gerade richtig kam. Vom Berliner FC über Bergmann Borsig zu Aston Villa ins britische Birmingham. „Die Welt des Profi-Fußballs stand mir offen.” Dort machte er auch erste Bekanntschaft mit dem Golfen. Zweifel, ob denn dieser Freizeitsport für einen fußballerischen Dauerläufer auch der richtige sei, begegnet er entschieden: „Doch, der wird zur Sucht. Wenn der Ball das erste Mal richtig geflogen ist, ein tolles Gefühl, ein toller Sport.“ Jetzt zu spielen, fehlt ihm oft die Zeit, aber mal in der Woche für drei Stunden am Abend, das sei schon drin.

1994 dann wechselte Stefan Beinlich zu Hansa Rostock, von dem er, der Berliner Junge, wie er sich selbst schmunzelnd nennt, eigentlich nie lassen konnte. Erklären könne er das nicht. „Hier sind einfach tolle Menschen im Umfeld.  Drei Jahre später dann nach Leverkusen, „auch um international Fußball spielen zu können“, sei ihm von allen Wechseln am schwersten gefallen. Man glaubt es ihm. Aber: „2006 bin ich  freiwillig zurückgegangen, mich hat keiner gezwungen. Ich hab’ mich selber hier angeboten.” und eine nichtfußballerische Begründung schiebt er noch nach, die man hierzulande sicher gern hört, die schmeichelt, und die etwas von den neuen Wurzeln des Kickers ahnen lässt. „An der Ostsee zu leben, ist einmalig. Ein schöneres Bundesland gibt es für mich nicht.”

Auch die  Fans hier im Norden mag er, und die - wie man weiß - ihn auch.: „Das ganze Bundesland steht hinter Hansa Rostock”. Hoppla?! „Ja, die Fans sind großartig. Für viele von ihnen ist der FC Hansa das Leben. Ihnen geht es richtig schlecht, wenn wir verlieren.” Das ist ein brisantes Thema, und man ist gespannt wie „Paule” das sieht. Stefan Beinlich wendet sich gegen Pauschalisierung. „99 Prozent  der Fans sind super. Es ist leider eine Randgruppe, die aus der Rolle fällt. Wir Fußballvereine alleine werden sie nicht in Griff kriegen. Randalierende Fans sind ein gesellschaftliches Problem,” das ist  die Ansicht des Managers.  Der gesamte Vorstand um den Vorstandsvorsitzenden Bernd Hofmann kümmert sich mit der Abteilung Fanbetreuung um die Kommunikation mit den Fans. „Wir sind sehr gesprächsbereit und sind auf einem guten Weg. Das haben die letzte Spielzeit und die ersten Spiele der Saison gezeigt. Aber es ist ein Weg der kleinen Schritte.”

Stefan Beinlich will, dass der Verein  familiärer wird. „Greifbar, fassbar, dicht dran, das müssen wir als gesamter Verein sein. Es darf keine Käseglocke über uns hängen. Wir sind ein großer Teil von Mecklenburg-Vorpommern.” Und dann fällt das Wort Teamgeist. „Das ist die einzige Chance, um in dieser Sportart erfolgreich zu sein.”

Da ist der 39-Jährige mittendrin, hat sein Sporttrikot mit dem feinen Zwirn  eines Managers getauscht. Obwohl er sich in Jeans und Hemd wohler fühlt, wie er sagt.  Modetrends müsse er in seinem Job ja nicht setzen. Allerdings würden seine vier Mädels zu Hause schon schauen, was er denn so trage, nicht nur, wenn es zu hochwichtigen Sponsoren-Gesprächen ginge.

Stefan Beinlich meint, dass er jetzt, nach seiner Profi-Zeit, den zweitschönsten Job seines Lebens habe. „Weil  ich noch immer nahe am Fußball dran sein darf. Ich bin die Leiter nur eine Etage runtergestiegen. Ganz oben war ich schon als Spieler.”  Der Unterschied? Das Große und Ganze müsse er jetzt im Kopf haben. „Es ist nun mal so, Hansa stand am Abgrund. Nach einer Not-Operation sind wir auf dem Weg ins Reha-Zentrum,” kommentiert der Manager die Situation.  Acht Millionen Euro Verbindlichkeiten hat der Verein, allerdings auch ein positives Reinvermögen von plus drei Millionen. Durch den Aufstieg in die zweite Liga habe man keine weiteren betriebsbedingten Kündigungen aussprechen müssen. Dies zu sagen ist ihm wichtig, man spürt es, anderes hätte ihn offenbar doch sehr bedrückt.

Sein Verhältnis zum Cheftrainer Peter Vollmann? „Es ist ein Geben und Nehmen. Wir tauschen uns täglich aus, diskutieren auch einmal kontrovers.“

Sein Netzwerk, seine Bekanntheit, seine Offenheit sind Fakten, die in diesem Geschäft sehr wichtig sind, auch wenn Beinlich darüber nicht sprechen mag. Nur so viel: „Entscheidend ist, dass du einen Draht hast und eine ehrliche Art.”

Ihm ist klar, dass zur aktuellen Zweitliga-Auferstehung die Wünsche mancher wieder in’s Kraut geschossen sind. Alle erinnern sich, als seinerzeit Martin Max - zur Überraschung vieler - an die Küste kam, und Hansa fast im Alleingang in der Klasse hielt. Kann sich das wiederholen? Was ist jetzt mit Marek Mintal? Auch bei dessen Verpflichtung gab es ziemliche Verblüffung bei manch Außenstehendem, vielleicht gar aufblühender Wunderglaube.

„Wir hatten in der dritten Liga eine tolle Mannschaft, die den Aufstieg schaffte”, zollt er den Ziegenbein, Lartey und Co. volle Anerkennung. Punktuell habe man sich aber verstärken müssen, doch keine Spur vom Knallhart-Prinzip.  Und dass Tom Weilandt, Sohn seines ehemaligen Mannschaftskameraden „Hille” Weilandt, der junge Abwehrhüne mit dem norddeutschen Namen Pelle Jensen oder Keeper Johannes Brinkies drauf und dran sind, vom deutschen A-Jugendmeister zum Voll-Profi aufzusteigen, macht Beinlich zufrieden, und gibt ihm Mut.

Der Manager mag während der Hansa-Spiele nicht auf der Tribüne sitzen. „Ich bin auf der Bank, weil ich nahe dran sein will.” Noch immer fährt er mit dem Mannschaftsbus zu den Auswärtsspielen, nicht in der Limousine. „Da bin ich wohl noch zu sehr Spieler”. Wo bleibe da die Autorität? „Na, die kommt doch nur über das eigene Verhalten.” Hansas Weg jetzt in der zweiten Liga ist knüppelhart, wie die Spiele bislang zeigen.  „Es geht uns jetzt um den Klassenerhalt, um dann in den nächsten Jahren auch mal wieder am Tor zur ersten Liga zu rütteln”. Wirklich, das hat er gesagt, daran glaubt er.

Der Fachmann weiß, dass sind nicht die Mühen der Ebene, und er hat genau gesehen, welchen Anspruch aktuell die Mario Götze oder Andrè Schürrle rüberbringen, wenn sie im Spiel - wie zuletzt - die Brasilianer förmlich austanzen.

Trotzdem, Verein und Region würden solch hohe Zielstellung gemeinsam schaffen können. „Viele Aktionen sind auf den Weg gebracht.” Stefan Beinlich nennt die 3-2-1 - Sponsorenaktion, um kleinere Unternehmen für die finanzielle Unterstützung des Vereins zu gewinnen, so den Hansa-begeisterten Bäcker oder Fleischer. „Wir wollen viele mit ins Boot holen”. Auch die jüngste Hansa-Fananleihe, die den Untertitel „Gemeinsam Stück für Stück der 1. Liga entgegen” trägt, soll unterstützen. Befragt, ob sich denn die Hansa-Schulden im Vergleich zu den 68 Millionen Euro hohen Verbindlichkeiten von Borussia Dortmund  nicht geradezu lächerlich ausnehmen würden, blockt er ab: „Wir müssen unseren Weg finden, um sportlich erfolgreich zu sein. Natürlich sind die finanziellen Möglichkeiten durch den Standort Mecklenburg-Vorpommern begrenzt, wir leben nun mal nicht in einer finanzstarken Region.” Das sei halt so. „Dafür haben wir hier das Meer.”

Stefan Beinlich zitiert einen Satz aus einem Song der Band Geier Sturzflug: „Eines kann mir keiner nehmen, das ist die pure Lust am Leben.” Dazu gehöre für ihn beruflich das Fußballstadion, den Verein sportlich weiter zu entwickeln, beim Golfen zum besseren Handicap zu kommen und privat mit der Familie glücklich zu sein. „Zum Beispiel frischen Fisch bei Gosch in Warnemünde zu essen und große Pötte gucken.” Oder einfach mal am Strand zu sitzen und auf die Ostsee schauen. Mit Hut? „Den fegt der Wind hier weg.”

Zum Schluss, aufgehoben die hochnotpeinliche Frage, was ist denn nun eigentlich ein Abseits sei? „Das kann ich in vier Sätzen nicht erklären“, lacht Beinlich. „Dafür brauchen wir eine ganze DIN-A 4-Seite.“  Dann lassen wir es eben.

Dieser Mann weiß garantiert, was Abseits ist. Nur die Schreiberin dieses Beitrages nicht. Aber dies wird die Welt auch nicht aus den Angeln heben.

Regina Rösler
Fotos: Thomas Ulrich / www.ulrich-fotodesign.com