„Es ist eine richtige Liebesaffäre“ 16.09.2011
 Harald Hoffmann und DG.jpg) Der 37-Jährige ist zudem Buchautor, Moderator, Produzent von Konzertkonzepten - und Künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.
Daniel Hope, sind Sie ein Sportwagenfreak? Das Foto lässt darauf schließen…
Nun, das Foto ist gestellt. Der Wagen stand einfach so an der Straße. Als wir vom Foto-Shooting in Hamburg kamen, sagte ich zum Fotografen, ich stell‘ mich einfach dazu, als wäre es meins. Und so ist das Foto entstanden. Aber es stimmt, ich liebe Sportwagen und fahre einen Porsche.
Und drehen Sie die Musik auch laut auf, so wie Udo Lindenberg es liebt? Der hört in seinem Porsche übrigens liebend gern Gustav Mahler.
Ich höre meistens nicht Klassik, wenn ich fahre. Dafür eher Pop, zum Beispiel Sting, U2 oder George Michael. Auch ein bisschen Jazz, auch Folk. Ich habe eine sehr große Auswahl auf meinem iPod. Bei klassischer Musik will ich richtig zuhören. Und gerade in schnellen Autos ist es relativ laut, da kann ich nicht die Feinheiten heraus hören.
Geigenspiel und moderne Technik unserer heutige Zeit, geht das überhaupt zusammen?
(Lacht) Ich bin ein absoluter Technikfan. Computer, iPhone, Handys - all diese Dinge machen gerade unser Leben so viel einfacher. Oder auch das iPad. Hier habe ich meine ganzen Noten immer dabei.
Wie sind Sie eigentlich Künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern geworden?
Das liegt an einem sehr netten Zufall. Ich war acht Jahre alt und begegnete als Schüler bei den Meisterkursen auf dem Schleswig-Holstein-Festival Matthias von Hülsen. Ich kam dort auch mit seiner Frau Dorothy ins Gespräch, die genau wie ich, aus Südafrika kommt. Und so lernten wir uns näher kennen. Jahre später hatte Matthias von Hülsen gerade die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gegründet und mich und meine Freunde spontan für ein Konzert eingeladen. Seither bin ich jedes Jahr wiedergekommen und so hat sich zu Mecklenburg-Vorpommern und seinen Festspielen eine äußerst innige Beziehung entwickelt, zu den Menschen, zum Land. Es ist eine richtige Liebesaffäre.
Man hat, auch als Außenstehender, den Eindruck, die Macher der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern sind wie eine große Familie.
Ja, das ist wirklich so. Wir sind ein tolles und junges Team von Menschen, die die Musik lieben. Außerdem entdecke ich während der meiner Festspielzeit jeden Tag ein neues Gesicht von Meck-Pom, ob nun in den Städten Dörfern, Kirchen, Schlössern oder gar in Jugendzentren. Die Vielfalt in diesem Bundesland ist enorm. Ich bin schon durch die ganze Welt gereist, habe aber nicht so viel neue Dinge wie in Meck-Pom gesehen. Durch das Festival konnte ich natürlich auch die Entwicklung in diesem Bundesland bestens verfolgen. Und die ist wirklich gewaltig. Das alles mitzubegleiten und mittendrin erwachsen zu werden, das war und ist für mich sehr, sehr schön.
Ehrlich? Einen kleinen Kulturschock muss es doch für Sie geben. Sie leben immerhin in Wien.
Vielleicht. Aber ich habe in Ulrichshusen gespielt, als es noch kein Dach auf dem Schloss gab. Und jedes Jahr haben wir gesehen, was die von Maltzahns dort geschaffen haben. Jetzt ist Ulrichshusen eine Insel des Wohlfühlens. Es gibt die Scheune, in der wir große Konzerte mit den größten Künstlern der Welt gegeben haben. Gerade waren meine Freunde aus Amerika von der Chamber Music Society des Lincoln Centre New York da. Und ich kann sozusagen während der Festspiele Hausherr spielen, und sagen, schaut, was wir hier haben, lasst uns hier gemeinsam musizieren.
Wie registrieren Ihre amerikanischen Freunde Mecklenburg-Vorpommern?
Ganz anders, viele kannten es natürlich nicht und hatte besonders große Schwierigkeiten Mecklenburg-Vorpommern auszusprechen. Aber die Amerikaner sind natürlich schon besessen von Europa und Deutschland, weil es hier alte Kultur gibt. Alleine beispielweise Heiligendamm zu erleben, wo Mendelssohn einst Konzerte gegeben hat, er hat ja hier teilweise seinen Sommernachtstraum geschrieben, all das ist schon, für Menschen, die nicht in Europa leben, eine große Attraktion. Und dann noch diese schöne Landschaft. Wir könnten 300 Konzerte mit Künstlern geben, die hierher kommen wollen, aber wir haben nur Zeit für 124 während der Festspiele. Um hier zu spielen, steht man Schlange. Das betrifft sowohl junge Künstler als auch große Orchester.
Ich habe Sie in Hasenwinkel beim Kinderkonzert der Festspiele erlebt. Warum musizieren Sie und Ihre Musikerfreunde für Kinder?
Wenn man vor einem Kinderpublikum steht, dann ist man mit ihnen ganz auf Augenhöhe. Kinder reagieren spontan und unbefangen. Die Musik Beethovens, Händels oder Mozarts birgt Emotionen und Gefühle. Das verstehen die Kinder. Ich versuche nie, Kinder zu unterschätzen. Gerade zu sehen, wie ihre ehrliche Reaktion ist, dafür mache ich Musik.
Sie sind im südafrikanischen Durban geboren. Was verbindet Sie noch mit diesem Land?
Ich habe schon eine Verbindung zu dem Land, aber ich kann nicht sagen, dass ich mich mit Südafrika identifiziere. Allein auch weil dieses Regime viel in meiner Familie zerstört hat. Das Leben dort für sie war sehr, sehr schwer durch Apartheid. Das ist etwas, was ursächlich für meine Distance ist.
Was lässt Sie heute vorwiegend in Wien leben? War es Zufall, Familie, Liebe?
Ein bisschen von allem. Meine Urgroßmutter stammte aus Wien, meine Mutter lebt dort. Wien ist eine Musikstadt sondergleichen. Dort herrscht ein enormes Kunst- und Musikverständnis. Natürlich ist es auch die Architektur. Ich bin ein großer Jugendstilfanatiker. Und Hamburg ist die zweite Stadt, in der ich mich sehr wohl fühle, weil sie sehr offen ist. Dort habe ich eine Zweitwohnung. Hamburg bietet mir zudem die Nähe zu Meck-Pom.
Sie vergeben Kompositionsaufträge. Wie kam es dazu?
Das mache ich schon, seit ich 18 bin, gewachsen durch meine Kontakte mit Komponisten. Mit modernen Komponisten kann ich reden, ihnen mitteilen, was der Interpret will, welche Rolle er in der Musik auslebt. Bisher habe ich alle Auftragswerke, die ich vergeben habe, auch selber gespielt. So etwas zu erleben, ist wie ein Baby, das heranwächst. Es gibt so viele Komponisten und ich finde, dass sie die Chance haben sollen, ihre Stimme zu erheben. Denn es gibt nicht überall Verständnis für zeitgenössische Musik. Moderne Komponisten brauchen Interpreten, die sie unterstützen.
Werden Sie den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern treu bleiben?
Absolut. Wir haben in diesem Jahr zum zweiten Mal die Kontakte mit Amerika ausgebaut, zum ersten Mal ein chinesisches Orchester hier gehabt. Wir haben sehr viele Ideen und Projekte vor, wollen noch neue Wege gehen. Es wäre zu schade, alles aufzugeben. Ich möchte das hier schon eine Weile genießen und noch mehr Musik nach Meck-Pom holen.
Letzte Frage: Was für eine Geige spielen Sie?
Ein ganz altes, einfach sensationelles Instrument. Eine Ex- Lipinski, die deshalb so heißt weil der weltberühmte Geiger Karol Lipinski auf ihr schon mit Franz Liszt und Robert Schumann gespielt hat. Meine neue alte Geige wurde 1742 vom italienischen Geigenbaumeister Guarneri del Gesú gebaut.
Daniel Hope, wir freuen uns mit Ihnen auf die nächste Festspielsaison in Mecklenburg-Vorpommern. Kommen Sie gut über den Winter.
Regina Rösler
Der Stargeiger Daniel Hope liebt auch schnelle Autos.
Foto: Harald Hoffmann, Deutsche Grammophon
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