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Ehrfurcht und Neugier bewahren - Ranga YogeswarDie Kunst wird sich ihre Wege suchenDann eben Greige…Küchenkünstler (8): Markus Görner, Schloss Teschow - Die Kartoffel macht‘sLiebe Leserin, lieber Leser,Urbane Freiheit - Der Citroën C-CROSSER
Ehrfurcht und Neugier bewahren - Ranga Yogeswar
Die Kunst wird sich ihre Wege suchen
Dann eben Greige…
Küchenkünstler (8): Markus Görner, Schloss Teschow - Die Kartoffel macht‘s
Liebe Leserin, lieber Leser,
Urbane Freiheit - Der Citroën C-CROSSER

Editorial

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gemeinhin ist jetzt genau die Zeit angebrochen, in der man sich vermehrt in die Bibliothek zurückzieht, den Schaukelstuhl besetzt und zum Buch greift.


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Ehrfurcht und Neugier bewahren - Ranga Yogeswar

12.12.2011
Die einen finden ihn toll, andere werfen ihm eine verflachte Wissensvermittlung vor. An Ranga Yogeshwar (Fotos) scheiden sich die Geister. Mit TV Sendungen, wie „Quarks & Co“ (WDR), „Wissen vor 8“ in der ARD, „Wissenschaftsforum“ (Phoenix) oder auch die „Die große Show der Naturwunder“ (ARD) erreicht er ein
Millionenpublikum. Und die Menschen hören zu, wenn der 52-Jährige ihnen die Welt erklärt.  Rostock „delüx“ traf Ranga Yogeshwar zu einem Plausch in der Hansestadt.

Herr Yogeshwar, was war zuerst da:  Das Huhn oder das Ei?
Sowohl das Ei als auch das Huhn. Beide waren da, bevor die Frage überhaupt das erste Mal gestellt wurde. Gegenfrage: Können Sie sich noch an Ihr Entstehen erinnern, als Samen und Eizelle zueinander fanden? Niemand kann sich daran erinnern. Die Evolution ist ein Thema für sich.

Wer die Welt verstehen will, muss sie sich genau anschauen. Sie haben mit 26 gesagt, ich bin dann mal weg. Warum musste es unbedingt der Himalaya sein?
Der Himalaya ist großartig. Ich bin im Süden Indiens aufgewachsen. Als junger Mensch habe ich mich in die Berge verliebt und seitdem übt der Himalaya eine besondere Anziehung auf mich aus. Wenn ich an der Ostsee aufgewachsen wäre, würde es mich vielleicht immer wieder hierher ziehen. Wer weiß? Das ist auch eine tolle Region.

In Mecklenburg-Vorpommern ist in diesem Jahr soviel Regen gefallen, wie nie zuvor. Mitunter kam er monsunartig daher. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Also da gleich von Klimawandel zu reden, wie das vielfach getan wird, halte ich für falsch. Es sind vielmehr die Wettersysteme. Und die sind extrem komplex. Hinzu kommt unsere höchst unterschiedliche Wahrnehmung. Erinnern wir uns doch mal an unsere Kindheit. Wie haben wir den Schnee wahrgenommen? Das war doch immer toll; rodeln, Schneeballschlachten, Schneemann bauen. Das bleibt nachhaltig in Erinnerung. Ein Erwachsener, der in der Stadt arbeitet und zu Hause nicht selber Schnee fegen muss, nimmt das doch kaum noch wahr. Deshalb gibt es ja oft die Meinung: Einen richtigen Winter haben wir schon lange nicht mehr gehabt. Oder nehmen wir den Rekordsommer 2003. Da war schnell von globaler Erwärmung die Rede. Und was sagen wir diesmal, wo der Sommer gerade mal ein paar Stunden stattgefunden hat….

Hochgerechnet haben Sie inzwischen über 1.000 Fernsehsendungen moderiert. Hinzu kommen etliche eigene Beiträge, auch im Hörfunk. Ist inzwischen nicht alles gesagt?
Klare Antwort: Nein! Ein Beispiel. Im September haben Wissenschaftler im europäischen Teilchenforschungszentrum Cern in Genf bei einem Test festgestellt, dass sogenannte Neutrinos schneller sind als Licht. Wenn es sich so bestätigt, wäre das die Sensation des Jahrhunderts. Letztlich würde das bedeuten, dass Einstein doch nicht recht hatte mit seiner Aussage, dass die Lichtgeschwindigkeit die oberste Geschwindigkeitsgrenze im Universum ist. Damit steht praktisch die gesamte Physik Kopf. Es wird immer diese besonderen Momente geben, in denen wir zu neuen Erkenntnissen gelangen. In meinem Buch „Sonst noch Fragen“ musste ich auch irgendwann mit dem Antworten aufhören, obwohl längst noch nicht alle Dinge, die uns bewegen, beantwortet waren.

Dinge, die die Welt bewegen, mitunter auch verändern, aus Ihrem Mund zu hören, kommen stets leicht verständlich daher. Muss man sich dafür so etwas, wie ein kindliches Gemüt bewahren?
Die Welt ist nicht leicht zu erklären. Was ich tue, ist die Schere aus dem Kopf zu schmeißen, sich trauen, Dinge aus anderer Perspektive zu beleuchten, als das allgemein erwartet wird. Viele Leute reden über Dinge, die sie nicht verstehen. Das muss schief gehen. Gut ist es immer, eine bildhafte Sprache zu verwenden. Man kann die Welt nicht in einer Minute erklären, dafür braucht man Zeit und für einige Dinge ganz besonders viel Zeit. Und man muss die Menschen an der Diskussion, am Finden der Antwort beteiligen. Wer mit Feuer­eifer dabei ist, hat auch Spaß daran, sich Wissen anzueignen.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es die meisten Schulabbrecher in Deutschland. Im Durchschnitt schafft jeder sechste  Schüler den Abschluss nicht. Deutschlandweit waren es zuletzt fast 60.000 Schüler. Was machen wir in der Bildungspolitik falsch?
Ich schlafe schlecht angesichts solcher Zahlen. Mich macht es richtig wütend, dass Deutschland so etwas zulässt. Die Gründe sind längst bekannt, nur es ändert sich nichts. Kinder werden nicht richtig gefördert, es wird viel zu früh „ausgesiebt“. Schon ab der vierten Klasse wird nach guten und schlechten Schülern sortiert, der weitere Bildungsweg vorbestimmt. Das fördert die Zwei-Klassengesellschaft, die von der Politik zwar immer wieder verneint wird. Aber das ändert nichts daran, dass sie alles dafür tut. Es sind zumeist Kinder von Familien, in denen vergleichsweise wenig Geld verdient wird, die auf der Strecke bleiben. Das hat Folgen bis dahin, dass inzwischen Formate für „Unterschichtenfernsehen“ über die Bildschirme flimmern. Den Begriff gibt es wirklich und es wundert mich, warum wir nicht vehement gegen diese Aufspaltung der Gesellschaft protestieren. Nicht nur als Fernsehfachmann sage ich: Ein absolutes Unding.

In Deutschland wird jährlich rund eine Milliarde Mark für Nachhilfeunterricht ausgegeben. Betroffen sind auch hier wieder zuallererst Schüler, bei denen das Geld zuhause knapp ist. Wie kann den Familien geholfen werden?
Nachhilfe hat doch direkt was mit Defiziten im Unterricht zu tun. Die Nachhilfe ist längst zum Kommerz geworden.  Andere verdienen wieder Geld für das, was in der Schule versäumt wurde. Wissensaneignung hat sehr viel mit der Art und Weise der Vermittlung zu tun. Ich will keinem Lehrer zu nahe treten: Aber, wer keine 100-prozentige Motivation, keinen Draht zu den Schülern hat, wer die Schule nicht liebt, der ist fehl am Platz. Der Lehrer muss in jeder Situation Ansprechpartner für die jungen Menschen sein. Dort werden die Lehrer bislang sehr allein gelassen, statt sie zu unterstützen. Und natürlich muss auch die Familie für ihre Kinder da sein. Alles muss miteinander harmonieren.

Wie würde der Physikunterricht bei Ranga Yogeshwar aussehen?
Weg vom Mief das Klassenzimmers. Rausgehen, direkt am Beispiel Dinge erklären. Ich würde mit den Kindern ruhig mal für eine Unterrichtsstunde in die Schwimmhalle gehen. Da lassen sich so viele Dinge höchst anschaulich erklären, die im Unterricht einfach nur langweilig sind. Aber, der Physiklehrer, der so etwas macht, bekommt natürlich sofort einen Rüffel vom Schulleiter oder der Schulbehörde. Deshalb sage ich: Die Bildung muss raus aus den Fingern der Politik. Die verhindert zeitgerechte Unterrichtsformen eher, als dass sie sie fördert.

Wie ausgiebig nutzen eigentlich ihre eigenen vier Kinder die Möglichkeit, bei den Hausaufgaben nachzufragen?
Das läuft bei uns völlig unspektakulär ab. Wenn sie Hilfe brauchen, kommen sie mal zu mir und mal zu meiner Frau. Als eine meiner drei Töchter mal mit einer Mathematikaufgabe nicht zurecht kam und ich ihr helfen wollte, hat sie mit der Bemerkung abgelehnt: Danke Papa, aber ich warte lieber auf Mama, bei der geht es schneller. (lacht)

Wie erholen Sie sich? Bei all den Fernsehauftritten, Reisen, Wissenschaftsfestivals, Vorträgen, bleibt da überhaupt noch Zeit, auch mal die Beine hochzulegen?
Es gibt bei mir schon Phasen, da kommt die Erholung deutlich zu kurz. Da geht es auch schon mal an die Grenzen meiner physischen Belastbarkeit. Aber ich finde immer wieder Momente, in denen ich mich entspanne. Manchmal ist es nur die Zeit in der Bahn
oder in einem Warteraum.

Essen und Trinken. Kaviar oder Schnitzel, Champagner oder Selters?
Von Kaviar halte ich nichts und Champagner vertrage ich schlecht. Essen hat mit Ehrlichkeit zu tun und ist kein Statussymbol für mich. Leckere Bratkartoffeln, die mit Liebe zubereitet wurden, schlagen jedes modische Fingerfood. Bei uns zuhause wird viel gekocht. Fertiggerichte sind nicht mein Ding und beim Wasser bin ich ein Fan unseres Leitungswassers. Das ist weit besser als sein Ruf.
 
Mal ganz im Ernst. Warum haben Frauen eigentlich immer kalte Füße?
Weil wir Männer sie dann wärmen können! Das machen doch alle gern, oder?

Gibt es eigentlich etwas, was Ihnen bis heute ein Rätsel geblieben ist?
Die Welt ist voller Rätsel. Und das wird immer so bleiben. Absurd, wer behauptet alles zu wissen. Die Wissenschaft findet zwar auf zunehmend mehr Fragen eine Antwort, aber es wird weiterhin Unmengen an Fragezeichen geben. Damit bewahren wir uns auch etwas Ehrfurcht vor dem, was uns umgibt.

Ich danke Ihnen, dass Sie Zeit gefunden haben.
Text & Fotos: Jürgen Drewes