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Die Herbst-/Winterkollektion 2008/2009 „lamermystique“ von derModedesignerin Beate Heymann ist eine Hommage an die schöne Ostseeküste, die der Rostockerin
in Vorbereitung auf eine neue Kollektion als Hort der Inspiration dient. Fotos:Heymann-Moden |
Detailreiche Strukturen
Ein Rostocker Modeunternehmen erobert mit norddeutschem Understatement den internationalen Markt
Selbst wer die Adresse kennt, läuft unweigerlich zwei bis drei Mal an der Mühlenstraße 7 vorbei, ohne von der elegant geschwungenen Aufschrift im Fensterglas Notiz zu nehmen. Beate Heymann Streetcouture ist dort zu lesen.
Ansonsten lässt die schmale Tür nicht erahnen, dass sich an diesem Ort, gut versteckt zwischen einem Bekleidungsgeschäft und einem Gemüseladen, die Ideenwerkstatt einer namhaften Designerin befindet. Nichts weist darauf hin, dass hier, im verträumten Warnemünde, ein Trendlabel kreiert wird, das internationale Erfolge auf den Laufstegen dieser Welt feiert: Düsseldorf, Kopenhagen, Amsterdam, Paris, London.
Es ist über 16 Jahre her, dass Beate Hofmann, geborene Heymann, das 1-Frau-Unternehmen Heymann-Moden gründete. Die gebürtige Rostockerin hatte sich beim Fernsehen der DDR in Berlin-Adlershof als Herrenmaßschneiderin ausbilden lassen. Bei Sendungen wie „Glück muss man haben“ mit Wolfgang Lippert hatte sie erstmals die Gelegenheit, sich kreativ mit besonderen Stoffen auseinanderzusetzen. Ihrer Vorliebe für außergewöhnliche Materialien folgend, absolvierte die junge Modeschöpferin ein Designstudium in Berlin-Weißensee. Daran anschließend wagte sie den Sprung in das kalte Wasser und machte sich selbstständig.
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| Mirja du Mont (siehe Foto), Ute Freudenberg,
Alida Gundlach, Monica Lierhaus
– die Liste der Prominenten, die
auf den Bühnen und Laufstegen dieser
Welt Heymann-Mode tragen, ist lang. |
„Du willst doch nicht dein Leben lang nur für andere Leute Kaffee kochen. Mach was aus deinem Talent“, hatte Peter Hofmann damals eindringlich geraten. Mit seiner Hilfe ließ die junge Künstlerin auf dem Küchentisch in der kleinen Wohnung in der Tessiner Straße die ersten Designerstücke entstehen. Er übernahm die administrativen und organisatorischen Aufgaben, sie die kreativen und künstlerischen Arbeiten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Lediglich das Umfeld der Eheleute hat sich verändert: Zur Familie gehören inzwischen drei Kinder, die Firma beschäftigt 24 Mitarbeiter und beliefert weltweit über 600 Fachhändler.
Beate und Peter Hofmann verstehen und vertrauen einander blind. Trotz aller Wechselspiele auf dem hart umkämpften Modemarkt haben sich die detailreich und aufwändig verarbeiteten Modelle von Beate Heymann auf dem nationalen und internationalen Markt etabliert. „Das ist keine Selbstverständlichkeit,“ sagt Peter Hofmann. „Unsere Mode besticht durch einen spannungsvollen Materialmix und ausgefallene Schnitttechniken. Wir bringen seit 16 Jahren jeweils zwei Kollektionen auf den Markt, die immer wieder einem neuen Themen- und Farbkonzept unterliegen. Dabei trägt jedes Modell die individuelle Handschrift meiner Frau. Und obwohl wir ein Trendlabel sind, machen wir nicht jeden Modetrend mit – das ist etwas Besonderes.“
Etwas ganz besonderes ist auch das Miteinander im Hause Heymann-Moden. Das Team ist jung, man nennt sich beim Vornamen. Die Räume sind hell und offen gestaltet, es gibt keine geschlossenen Türen. Überall gibt es Nischen, in denen sich Skizzen und Entwürfe, Schnittmuster und Stoffe für die neue Kollektion stapeln. Solange bis der Produktionstermin ranrückt und Beate Hofmann oft tagelang mit Schneiderschere und Maßband über einen Schnitttisch gebeugt anzutreffen ist, während ihre Designerinnen die Nähmaschinen auf Hochtouren bringen. In Spitzenzeiten durchdringt das Rattern auch nachts und am Wochenende die sonst so konzentrierte Ruhe in der Mühlenstraße 7.
Damit auch das Persönliche nicht zu kurz kommt, gibt es zwei Tageszeiten, an denen alle Nähmaschinen im Haus still stehen: Zum Frühstück und zum Mittagessen. Eingeläutet werden die Zusammenkünfte durch eine große Schiffglocke im Obergeschoss des Hauses. Alle Mitarbeiter – vom Lagerarbeiter über den Sekretär bis hin zur Modedesignerin – nehmen dann an dem sprichwörtlichen runden Tisch Platz, um sich aktiv an Ideenfindungs- und Entscheidungsprozessen zu beteiligen. „Obwohl die Kommunikationswege im 480 Quadratmeter großen Haus kurz sind, bieten diese Treffen die ideale Plattform, um Gemeinschaft zu leben,“ sagt Peter Hofmann.
Manchmal dürfen diesen Treffen auch Gäste beiwohnen. Freunde des Hauses wie Roswitha Salabaschew, der vor 16 Jahren die Designentwürfe von Beate Hofmann an den Wänden einer Rostocker Arztpraxis ins Auge fielen. „Die sind von meiner zukünftigen Schwiegertochter,“ hatte Dr. Hofmann damals geantwortet und die beiden Frauen dann miteinander bekannt gemacht. Bis heute sind die beiden Frauen miteinander befreundet. Und bis heute beratschlagen sie sich, wenn es darum geht, aus dem aktuellen Katalog die schönsten Modelle für die nächste Dance Fashion Show in der Nikolaikirche auszuwählen, prüfend neue Stoffe aus Frankreich oder Italien zu befühlen und Farben für die neue Kollektion festzulegen. In Ausnahmefällen dürfen auch „Fremde“ die Warnemünder Ideenwerkstatt betreten. „Aber nur, wenn sie uns sympathisch sind“, sagt Peter Hofmann schmunzelnd. „So wie Ute
Freudenberg, die seit Jahren auf der Bühne Heymann-Mode trägt und uns unbedingt einmal hier besuchen wollte. Als ihre Managerin den Termin anmeldete, fiel uns auf, dass ihr Geburtstag gerade ein paar Tage zurück lag“. Ein Geschenk musste her, eine kleine Überraschung, ein Ständchen. Also wurde in Windeseile „Jugendliebe“ 24 Mal kopiert und an die Mitarbeiter verteilt. Und als die Schritte der Sängerin im Hausflur zu hören waren, zählte Peter Hofmann mit der Geige im Arm den Takt ein. „Ute war so verblüfft, dass sie erst bei der zweiten Strophe in den Gesang einstimmte“, erinnert sich Fritz Reimer.
Fritz Reimer, von allen nur Fritzi genannt, ist der Sekretär des Hauses. Er, der für das Geburtstagsständchen in die Gitarrensaiten griff, ist eigentlich Musiklehrer. So wie Peter Hofmann auch. Kennengelernt haben sich die beiden am Lichtenhäger Gymnasium. Damals nahm er Peter Hofmann, der an der Schule sein zweijähriges Referendariat absolvierte, unter seine Fittiche. Sie wurden Freunde und schafften es, sich danach nicht aus den Augen zu verlieren. Und als die Arbeit im Warnemünder Head-Office immer mehr wurde, bot ihm sein ehemaliger Referendar den Bürojob an. Nun ist Fritzi die Stimme am Telefon, der Mann für alle Fälle. Der Freund, der immer da ist. Eine Konstante im Leben von Peter und Beate Hofmann.
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| Vorhang auf! Die Sommerkollektion 2007. |
Beate und Peter Hofmann sind Menschen, die Bodenständigkeit und Gradlinigkeit lieben. Mecklenburger, die eine Handvoll guter Freunde um sich herum brauchen. Warnemünder, die lange Strandspaziergänge nutzen, um den Kopf durchzulüften und Kraft für einen kreativen Neubeginn zu sammeln. Eheleute, die Prunk, Protz, Eitelkeit und Blitzlichtgewitter verabscheuen. Zwei, die auch das Kleine und Schlichte schätzen. Dinge, die sich erst auf den zweiten Blick als detailreich und vielschichtig entpuppen. Und deshalb lieben sie es, wenn Journalisten und Fotographen blindlings an der Mühlenstraße 7 vorbeilaufen und nicht sehen, dass ihr Sohn gerade mit dem Ranzen auf dem Rücken durch die schmale Tür in das Büro stiefelt. Und dass sie eben nicht sehen können, dass in diesem Familienunternehmen alles ganz normal ist.
Susanne Peters