Logo
Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…Essen ohne Schnickschnack - Lutz SeverinAngekommen - Mathias FreiheitKlassenmaß für Kurvenhatz und Windschnitt - Der 3er BMW„Play Golf – Have Fun”Pure Verführung - Klosterladen in Bad DoberanLiebe Leserin, lieber Leser,
Bis irgendwann tiefes Vertrauen entsteht…
Essen ohne Schnickschnack - Lutz Severin
Angekommen - Mathias Freiheit
Klassenmaß für Kurvenhatz und Windschnitt - Der 3er BMW
„Play Golf – Have Fun”
Pure Verführung - Klosterladen in Bad Doberan
Liebe Leserin, lieber Leser,
Werbung

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken. "Mir scheint, nein, ich weiß es, dieser Spruch ist Lebensmaxime von Dr. Mathias von Hülsen. Ein hehres Ziel des Intendanten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ohne geht es nicht. Wie sonst könnten sich die Festspiele MV zur prägenden Marke unseres Bundeslandes entwickelt haben. In der von Hülsen’schen Wohnung am Schweriner Pfaffenteich plauderte ich mit ihm und seiner Ehefrau Dorothy – aber nicht nur über die Festspiele. Ein wunderbar bodenständiges Paar.


Lesen Sie mehr.

Newsletter


Vorname
Name
E-Mail
Ja ich möchte den Delüx Newsletter erhalten.

Bald MVs Weinstraße?

01.07.2008

Lediglich acht Meter bergauf, rundherum nichts als Seesand, im Hintergrund die Ostsee – Wilhelm Gerloff will sich halb tot lachen, als er am Yachthafen in Kühlungsborn plötzlich an einem Weinberg steht. Informationstafeln über die Rebsorten aber beweisen, dass er sich nicht irrt. Der Mann aus Rheinland-Pfalz hat schon viel gesehen, aber Weinstöcke am Strand, „das schlägt dem Fass den Boden aus“, macht der Winzer seinem Erstaunen Luft.

„Nein, nein. Das Fass brauche ich schon mit Boden. Ich mache fast alles selbst, pflanzen, schneiden, düngen, ernten , keltern, später kommt der fast fertige Wein ins Barrique-Fass und ab geht es zum Abfüllen nach Sachsen“. Peter Weide lässt den Urlauber aus einem der klassischen deutschen Weinanbaugebiete nicht aus dem Staunen herauskommen. Als der Mecklenburger Gastronom 2004 mit Fertigstellung des neuen Kühlungsborner Yachthafens dort sein Restaurant „Vielmeer“ eröffnete, stellte sich die Frage, wie die auf der Rückseite zur Promenade abfallende Hanglage gestalten? „Gerade zurück von einem Urlaub am Rhein fiel mir nichts Besseres ein, als im darauf folgenden Frühjahr Wein anzubauen. Es sah ja hier fast so aus wie zu beiden Ufern des Rheins. Halt alles nur viel kleiner, Bonsaiformat“, blickt der 47-Jährige zurück.

Dass ihn viele für verrückt erklärten, störte den Gastronomen, dem auch das Landhotel Satow gehört, wenig. Wichtig war ihm allein der Rat seines Weinlieferanten Arno Speckert aus Kallstadt bei Mannheim, der allen Zweiflern immer wieder erklärte:„Das wird schon was!“ Im Frühjahr 2005 wurden die ersten 50 Rebstöcke gepflanzt – Regent, Riesling und Muskateller. Der Regent steht heute noch, die beiden anderen Rebsorten haben sich nicht bewährt.

Was kaum einer wusste – schon vor mehreren hundert Jahren hatten sich Mönche im benachbarten Kloster in Bad Doberan überaus erfolgreich im Weinanbau versucht. Aber weil während der Fastenzeit nur Bier alternativ als flüssige Nahrung zu allen anderen Lebensmitteln erlaubt war, verlegten die sich dann doch mehr aufs Brauen, statt aufs Keltern.

Die Lage in Kühlungsborn hat sich inzwischen als nahezu ideal erwiesen. Unterm Seesand gibt ein nährstoffreicher Sumpf- und Schlickboden den Rebstöcken die nötige Kraft. Der Hafen im Norden, die Weinhanglage windgeschützt abfallend hinter der Promenade, südlich gelegen. Da bekommt der Wein volle Sonne. „Mein Regent hat es schon auf 85 Öchsle gebracht“, lässt Hobbywinzer Weide seinen Berufskollegen aus Süddeutschland wissen, der inzwischen schon mal anerkennend nickt. „Das hätte ich nicht gedacht. Im Durchschnitt kommen wir in Deutschland auf ein Mostgewicht zwischen 70 und 80 Öchsle. Da haben Sie ja wirklich eine gute Weinqualität erreicht. Aber den würde ich jetzt auch gernmal probieren.“

Weinbauer Peter Weide.

Doch an dieser Stelle muss Deutschlands nördlichster Weinbauer passen. Die letzte Ernte hat sein 225 Liter Barrique Fass zwar voll gefüllt, aber kein einziger Tropfen ist mehr übrig. Im Weingut Jan Ulrich in Diesbar-Seußlitz an der sächsischen Weinstraße wurden 360 Flaschen abgefüllt. Die Nachfrage unter Freunden und Bekannten war aber wesentlich größer, als das Angebot. „Jeder wollte probieren. Von wegen Essigwasser, wie einige voraus gesagt hatten. Die konnten plötzlich nicht genug bekommen“, verleiht der Hobbywinzer seiner Freude über den Erfolg Ausdruck.

Der öffentliche Verkauf ist ohnehin nicht erlaubt. Dafür fehlt die Anerkennung, vor allem auch als Weinanbaugebiet. Als erste und bislang einzige im Land erhielt vor sechs Jahren eine Interessengemeinschaft um Schloss Rattey, die Zulassung als Anbaugebiet „Stargarder Land“. Damit ist es Deutschlands kleinstes und zugleich nördlichstes Anbaugebiet. Peter Weide bleibt unterdessen der Ruf, Deutschlands nördlichster Winzer zu sein.

Dabei will er es allerdings nicht belassen. Gerade hat er wieder einige neue Rebstöcke rund um den Kühlungsborner Yachthafen gepflanzt. Diesmal Solaris, eine Weißweinsorte, die vergleichsweise früh reift. Jetzt sucht Peter Weide nach einer geeigneten größeren Fläche in der Region. Hat er die gefunden, dann will der Gastronom richtig durchstarten. Im Bewusstsein, das ihm damit noch ein langer Weg durch die Genehmigungsbehörden bevorsteht.

Der Kontakt zu Gästen, die entlang der Bummelmeile am Yachthafen mit kleinen Shops und Boutiquen und vielfältiger Gastronomie zwangsläufig auch an seinem Weinberg vorbei kommen, hat es mit sich gebracht, dass sich inzwischen Bücher rund um Wein bei Peter Weide stapeln. „Viele wollen einfach nur helfen, lassen mir entsprechendes Material über Anbau und Pflege aber auch Wissenswertes aus Geschichte und Gegenwart rund um die Trauben zukommen“, erzählt der Gastronom. So weiß er inzwischen, das Mecklenburg eine lange Weintradition hat. Schwerin, Plau am See,Güstrow, Neukloster, aber auch auf Rügen und Usedom, überall wurde seit dem Mittelalter Wein kultiviert. Erst 1853 enden entsprechende Aufzeichnungen über den gewerblichen Anbau. Ein Indiz dafür, dass mit Entwicklung der Eisenbahn fortan auch Wein über größere Strecken transportiert werden konnte und damit Lieferungen aus den südlichen Anbaugebieten, die dann doch nicht so süffigen Angebote aus Norddeutschland verdrängten.

Mit „Vielmeer“ wurde die Ostsee von draußen nach drinnen geholt.

Inzwischen hat sich aber nicht nur das Klima geändert, sondern vor allem auch die Nachfrage nach regionalen Produkten ist spürbar gestiegen. „Warum soll zu Fleisch und Wurst, zu Fisch und Käse aus Mecklenburg- Vorpommern nicht auch Wein von hier auf den Tisch kommen? Ich würde das gern bei mir in den Restaurants anbieten. Schon heute fragen die Leute ja danach, wenn sie meinen Weinberg sehen, und ich muss sie dann enttäuschen. Da muss sich was ändern.“ Dabei setzt Peter Weide auch auf möglichst viele Mitstreiter. „Mir schwebt eine Weinstraße Mecklenburg- Vorpommern vor. Hört sich zwar verrückt an, aber so was erregt ja auch Aufmerksamkeit, macht neugierig. UmSchloss Rattey, auch in Loddin auf Usedom und auf Rügen wird schon wieder Wein angebaut, in Schwerin, im Schlosspark, steht welcher – das muss alles nur entsprechend vermarktet werden. Zusammen mit Restaurants, die sich auf Weinangebote spezialisiert haben. Und nicht zu vergessen, wir habenmit der Hanse-Sektkellerei in Wismar auch die nördlichste Sektherstellung Deutschlands.“

Dabei kommt der „Vielmeer“- Inhaber richtig ins Schwärmen. Ein Glas guten Roten von seinem Partner aus Sachsen in der Hand, dazu Musik mit Segelfeeling von der selbst herausgegeben Vielmeer-CD, schweift der Blick von einer Sitzbank im Weinberg hinaus auf die Ostsee. „Ich habe vor vier Jahren hier mit meinem Restaurant das Meer von draußen nach drinnen geholt. Der Erfolg gibt mir Recht. Warum soll ich nicht auch ein Stück erlebbare Weingeschichte vom Süden Deutschlands zurück nach Mecklenburg- Vorpommern holen…“ Jürgen Drewes