Angekommen - Mathias Freiheit23.03.2012
Warme, und zugleich moderne Eleganz empfängt den Gast im Foyer des Steigenberger Hotel Sonne. Dass dieses Haus eine bereits über 200jährige Geschichte schreibt, ist hier so leicht nicht zu vermuten. Ein quirliger Platz vis-à-vis des Rostocker Rathauses mit Blick auf den Neuen Markt.
Mathias Freiheit, seit Januar 2007 Direktor des traditionsreichen Stadthotels, lächelt auf die Frage, der wievielte Chef er denn wohl in der „Sonnen-Ahnen-Historie“ sei: „Das habe ich noch nicht rausbekommen.“ Vielleicht mal eine Aufgabe in einer „ruhigen Minute“. „Interessieren würde es mich schon.“ Das wundert nicht, denn Mathias Freiheit ist gebürtiger Rostocker.
Aber mit dieser „ruhigen Minute“ wird es wohl so schnell nichts werden. 121 Zimmer, erlesene Gastronomie - vom Restaurant Reuters über die stadtbekannte Weinwirtschaft, die Havanna Bar oder der alten Apotheke, in der der Jazzdiskurs sein zu Hause gefunden hat, bis zum Hotel „Die Kleine Sonne“ schräg über die Straße sowie das Restaurant und
Bar Silo 4 am Stadthafen. Insgesamt 73 Mitarbeiter und Auszubildende gilt es zu führen. All das ist wahrlich kein Nebenjob.
„Wir bieten als klassisches Businesshotel eine äußerst umfangreiche Gastronomie. Das hebt uns von anderen Häusern unseres Charakters ab“, unterstreicht der 40-Jährige die Philosophie seines Vier-Sterne-Superior-Hauses.
In den zahlreichen Banketträumen und Salons, vor allem im stilvollen Apollosaal „spielt sich ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens unserer Stadt ab.“ Ob nun private Familienfeiern, Tagungen, Meetings verschiedener Serviceclubs, Ratsherrenrunde oder alljährlich die Köste der Kaufmannschaft zu Rostock, die Liste der Veranstaltungen im Hotel ist gewaltig. Auch Prominente logieren gern in der hansestädtischen „Sonne“. Udo Lindenberg zum Beispiel, „Die Prinzen“ oder erst jüngst erneut Altbundeskanzler Helmut Schmidt. „Bei uns ist immer was los“, sagt Mathias Freiheit. Und: „Unser Haus ist absolut verwurzelt in Rostock.“ Auch der Hotelchef. Er fühlt sich „ angekommen“ in seiner Heimatstadt.
Wie in Hotellerie und Gastronomie üblich, war natürlich auch Mathias Freiheit nach seiner klassischen Berufsausbildung zum Restaurantfachmann in renommierten Vier- und Fünf-Sterne-Häusern unterwegs. Über Hamburgs Kempinski Hotel Atlantic, dem Dolder Grand Hotel Zürich bis ins Victoria & Alfred Hotel im südafrikanischen Kapstadt. „Prägende Zeiten, die den eigenen Horizont ungemein erweitert haben“, wertet Freiheit, dessen Augen das Leuchten kriegen, wenn er über Südafrika erzählt. „Fast wäre ich dort geblieben…“
Zurück nach Deutschland zogen sich seine Spuren über ein Studium an der ältesten deutschen Hotelfachschule in Heidelberg und verschiedenen Stationen im Airline- und Eventcatering der Lufthansa unter anderem nach Frankfurt am Main, Hamburg und Berlin. Schließlich stand, nach immerhin zwölf Jahren Wanderschaft, wie er sagt, Mecklenburg-Vorpommern wieder auf der Freiheit‘schen Lebensplanungsliste. Denn auch Ehefrau Babette, die im Fulltimejob an der Chemiedidaktik der Universität Rostock als wissenschaftliche Mitarbeiterin Chemielehrer ausbildet, ist gebürtige Rostockerin. Zwei Töchter machen die Familie komplett, heute zehn und zwölf Jahre alt. Mit Zwischenstation im Steigenberger Hotel Stadt Hamburg in Wismar ist Mathias Freiheit nun also seit fünf Jahren wieder Rostocker, und das mitsamt Familie. „Es ist sehr schön, dass wir unsere Eltern hier haben, sie unterstützen uns tatkräftig bei der Bewältigung des Arbeits- und Familienalltags,“ gesteht der Hotelchef. Und so gibt es einen Familienkalender in dem regelmäßig alle familiären und beruflichen Verpflichtungen „übereinandergelegt“ und abgestimmt werden. „Als Hoteldirektor ist man praktisch immer im Dienst. Unser Haus ist an 365 Tagen rund um die Uhr geöffnet. Es gibt keine Schließzeit.“ Er müsse zwar nicht 24 Stunden im Hotel sein, aber ganz abzuschalten, das sei schwierig. Trotzdem, die Balance zwischen Arbeit und Familie ist für ihn sehr wichtig. Und so spielen natürlich Familie und Sport in seinem Leben wichtige Rollen. Zum Beispiel das regelmäßige Tanztraining mit seiner Frau oder das morgendliche Joggen. Seit einem halben Jahr spielt Mathias Freiheit in der Ü40 Mannschaft des Rostocker Fußball Clubs. „Bei vier Punktspielen war ich schon dabei.“ In Familie wird auch gemeinsam Inline geskatet oder im Winter gern zum Skilauf nach Österreich durchgestartet. Und wenn sich die Zeit findet, dann wird auch gesegelt. „An Bord spürst du, wie wichtig ein Team ist“, sagt Mathias Freiheit. „Ohne Zusammenhalt läuft nichts, genau wie im Hotel“. Da hat er wohl Recht.
Regina Rösler
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